ARGUS Aktuell

Bürgerprotest gegen Lärm in der Hans-Thoma-Straße

  • 24. August 2010

Plakat

... wer sich nicht wehrt ...

Am 21. August 2010 protestierten die Anwohner der Hans-Thoma-Straße gegen den unverminderten Verkehrslärm. Seit dem Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan Nr. 121 „Behlertstraße" (Amtsblatt 08/2009) wurde von der Stadtverwaltung nichts unternommen, um die gemeinsam mit den Bürgern erarbeiteten Ziele umzusetzten.

Anwohner Hans-Thoma-Straße

Anwohner Hans-Thoma-Straße

Informationen

Für Verkehr mit Vernunft

Bürger-Erfolg Radstreifen

  • 28. Juni 2010

Mathias Klipp und Albrecht Söllner geben den Radstreifen frei (Foto: E. Schmidt)


Erste gemeinsame Fahrt (Foto:E. Schmidt)

Potsdamer Neueste Nachrichten vom 28.06.2010

Initiative feierte neues „Antlitz“ der Forststraße

Potsdam-West - Mit Pauken und Trompeten wurden am Samstagnachmittag die neuen Fahrradstreifen in der Forststraße offiziell eingeweiht. Nach einer Ansprache durch Albrecht Söllner von der Bürgerinitiative für Verkehrsberuhigung in Potsdam-West durchschnitt Potsdams Baubeigeordneter Matthias Klipp (Bündnisgrüne) das Absperrband und übergab die Streifen damit feierlich an die Nutzer. Mit einer Kutsche, einer Jazzkapelle und vielen ausgelassenen Radlern zogen die Anwesenden anschließend die Forststraße mit ihrem neuen „Antlitz“ entlang.

Seit Jahren gab es Bestrebungen seitens der Anwohner, die starke verkehrliche Nutzung der Straße einzuschränken. Ende 2009 war die Geschwindigkeitsbegrenzung nach einer Erschütterungsmessung des Landesumweltamtes von 50 auf 30 Stundenkilometer herabgesetzt worden. Nun wurde auch dem zweiten Wunsch der Anlieger entsprochen, indem die schon 2008 im Bürgerhaushalt mit hoher Priorität aufgenommenen Fahrradstreifen endlich realisiert wurden. Erreicht worden sei die Änderung vor allem durch bürgerliches Engagement, so Söllner. Er begrüßte das Umdenken der Verwaltung in Richtung der nachhaltigen Mobilität und der Kooperation aller Verkehrsbeteiligten. Vor sechs Jahren begann die Bürgerinitiative für Verkehrsberuhigung in Potsdam-West ihre Arbeit, als vor allem die Forststraße zunehmend von Lastwagen als Umgehungsstraße genutzt wurde.

Die jetzt neuen beidseitigen Kaltplastikmarkierungen auf der knapp zwei Kilometer langen Straße haben rund 20 000 Euro gekostet. Das Geld scheint wohl investiert. Vorher waren viele Radfahrer auf die sandigen Fußgängerwege ausgewichen, da das Fahren auf der unmarkierten Straße zu gefährlich erschien. So kam es in der Vergangenheit unter anderem zu Unfällen mit aus den Seitenstraßen kommenden Kindern. Durch die Fahrradstreifen, die vor einigen Wochen aufgebracht wurden, habe die Sicherheit stark zugenommen, urteilen die Anwohner. Es sei eine deutliche Verbesserung in Lebensqualität und Verkehrssicherheit, findet Dieter Ahting, der seit 13 Jahren in der Nachbarschaft wohnt. Florian Eyert

Filme für “Kontraste” von der Stasi sabotiert

  • 20. Mai 2010

Michael Heinroth übergibt dem ARGUS-Archiv seine Sammlung

Märkische Allgemeine Zeitung vom 20.05.2010

ARGUS-Archiv will Auskunft über die bewegten Tage der friedlichen Revolution geben

Von Sebastian Scholze

Es sind Papiere, die eine aufregende Zeit lebendig werden lassen: die Wochen vor und nach der friedlichen Revolution in der DDR. Die Dokumente und Fotos sollen gleichzeitig der Beginn eines Bürgerarchivs sein. Gestern wurde das Archiv der Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung (ARGUS) um viele Seiten erweitert. Die ehemalige Leiterin der Potsdamer Außenstelle für Stasi Unterlagen, Gisela Rüdiger, und Michael Heinroth, der als einer der Macher der Ausstellung "Suchet der Stadt Bestes" im Wendeherbst die Aufmerksamkeit auf den fortschreitenden Abriss der Zweiten Barocken Stadterweiterung gelegt hatte, übergaben ihre private Sammlungen dem Archiv zum Einscannen.

Seit dem letzten Sommer sammelt man bei ARGUS. Durch Fördermittel konnten Saskia Hüneke und ihre Mitstreiter einen Computer und ein professionelles Archivprogramm namens Faust beschaffen sowie eine Bearbeiterin einstellen. "Wir stehen erst ganz am Anfang", sagte Hüneke. "Unser Archiv soll auf lange Sicht angelegt sein: Studenten, Forscher und Interessierte sollen hier arbeiten können." Ein Teil der Dokumente soll später im Internet zur Verfügung gestellt werden. Das Einscannen ist dabei zum Teil die letzte Chance auf Rettung. "Bei manchen Dokumenten verschwindet innerhalb von Minuten die Schrift, wenn man sie aus ihren Schutzhüllen nimmt."

Rüdiger, seit September 1989 Mitglied bei Argus, freute sich sehr, dass mit dem Archiv eine gemeinsame Idee von Bürgerrechtler Rudolf Tschäpe und ihr aufgegriffen wird. „Für Argus saß ich damals im Rat der Volkskontrolle, der die Abwicklung der Stasi überwachen wollte", sagte Rüdiger. Ihre vier Aktenordner geben unter anderem Aufschluss über den "Ausverkauf“ in der Potsdamer Stasi-Zentrale. So wollte das Hans-Otto-Theater überzählige Möbel nutzen. Wie sich Vorstandsmitglied Saskia Hüneke noch gut erinnert, landete ein Panzerschrank der Spitzelbehörde sogar bei ARGUS. Die von Rüdiger übergebenen Dokumente zeigen aber auch, dass nach 1989 beinahe aus heutiger Sicht Unverständliches passiert wäre: Alle Täter und Opferakten sollten vernichtet werden, um Blutvergießen und Racheakte zu verhindern. Ein Aufruf unter anderem in der damaligen Märkischen Volksstimme lenkte die Aufmerksamkeit auf das Problem.

Michael Heinroth war 1980 nach Potsdam gekommen. Er begann, den Abriss der historischen Innenstadt zu dokumentieren. „Oft wurden Urkunden über den Bauzustand zur Rechtfertigung gefälscht“, sagte er. „Ich kannte eine alte Frau, die sich umgebracht hat, als man sie rausgeworfen hat." Mit selbst gedrehten Filmen wollte man die Sendung "Kontraste" im Westen auf die Misere im Osten aufmerksam machen. Allein: Die Stasi hatte ihre Mitarbeiter eingeschleust, die die Aufnahmen teilweise unbrauchbar machten. Die Erinnerungstafel, die Heinroth heimlich angebracht hatte, um das einstige Wohnhaus Theodor Storms in der Dortustraße 68 vor den Baggern zu retten, gehört heute wieder ihm. Einen Studenten hatte sie dermaßen beeindruckt, dass er sie aufbewahrte und nach der Zufallsbekanntschaft mit Heinroth diesem übergab.

Die Abriss-Warnungen des “Michael Berger”

  • 20. Mai 2010

Saskia Hüneke, Gisela Rüdiger und Michael Heinroth (Foto: A. Klaer)

Potsdamer Neueste Nachrichten vom 20.05.2010

Der Verein Argus baut ein Archiv für Dokumente der Wende- und Nachwendezeit auf

Von Guido Berg

Die Geschichte war innerhalb weniger Wochen vom jahrzehntelangen Stillstand in den Sprint übergegangen. Wer dachte in diesen Tagen daran, im Herbst 1989, als alles aufbrach, etwas beiseite zulegen für die Historiker? Michael Heinroth hat es getan. Ihn interessierte schon in den 1980er Jahren die Potsdamer Baugeschichte. Wenn wieder eine historische Häuserzeile abgerissen werden sollte, stöberte der Mann durch die leeren Häuser und sammelte, was ihm interessant erschien. Was da so geplant war an Abrissen, machte er in einem Artikel des grünen Netzwerk Arche DDR-weit bekannt - unter dem Pseudonym "Michael Berger" um der Verfolgung zu entgehen.

Es sind Geschichten wie diese, die sich mit den Dokumenten, Fotos, Briefen, Eingaben, Negativen erschließen lassen, die Heinroth gestern dem Verein ARGUS übergab. ARGUS, 1988 als Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung gegründet, hat damit begonnen, ein Archiv aufzubauen, um schriftliche Zeugnisse und Exponate der Wende- und Vereinigungszeit in Potsdam für die Nachwelt zu bewahren. "Sie glauben gar nicht, was man alles vergisst", sagte Saskia Hüneke vom ARGUS-Vorstand. Es sei eine "unglaublich dichte und spannende Zeit" gewesen, so die Bündnisgrüne Stadtverordnete, die den gestrigen Tag als "Geburtsstunde eines Bürger-Archivs" bezeichnete. "Interessante Zeitzeugnisse" sind auch zwei Videos, die Heinroth in das ARGUS-Archiv einbringt. Sie zeigen Interviews, die mit einer in die DDR geschleusten Kamera für die ARD Sendung Kontraste aufgezeichnet wurden. Gedreht wurden weitaus mehr als zwei Interviews, so Heinroth. Doch die übrigen waren von sehr schlechter Qualität. Später habe sich herausgestellt, dass derjenige, der die Kamera bei dieser geheimen Aktion führte, informeller Mitarbeiter der Staatssicherheit war.

Aber nicht an allem war die Stasi schuld: Lange haben sich Heinroth und andere gefragt, wo das Schild abgeblieben ist, das sie an das Haus Dortustraße 68 anbrachten. Kein Geringerer als der Schimmelreiter-Autor Theodor Storm hatte dort zwischen 1854 und 1856 gewohnt. Für die Potsdamer Stadt-"Erneuerer" dieser Zeit war dies freilich kein Grund, das Haus stehen zu lassen. Vergeblich protestierten Potsdamer Bürger auch mit dem Schild gegen den Frevel.

Das verschwundene Schild, das über die Stormsche Vergangenheit des Gebäudes informierte, tauchte Heinroth zufolge auf einem Basar der Fachhochschule wieder auf. Studenten hatten sich gedacht, das Schild sei viel zu schade, als dass es Opfer der Bagger werden sollte.

Auf Heinroths Material hat nicht nur ARGUS ein Auge geworfen, sondern auch das Potsdam-Museum. Die von ihm und Michael Zajons erarbeitete Ausstellung "Suchet der Stadt Bestes", im September und Oktober 1989 in der Nikolaikirche gezeigt, wird Teil der neuen Dauerausstellung des Potsdam Museums.

Finanziert durch die Stiftung Aufarbeitung werden die neu bei ARGUS eingegebenen Dokumente gescannt, berichtet ARGUS-Geschäftsführerin Elvira Schmidt. So entsteht eine digitale Datenbank der Dokumente, in denen Wissenschaftler, Journalisten und Studenten recherchieren können. Saskia Hüneke: „Wir hoffen auf Forschungsprojekte“. Ob sie ihre Dokumente bei ARGUS ins Archiv gibt, hat Gisela Rüdiger noch nicht entschieden. Aber scannen lässt sie sie schon einmal. Gisela Rüdiger ist seit September 1989 bei ARGUS. Nach der Besetzung der Stasi Zentrale in der Hegelallee am 5. Dezember 1989 war sie Mitglied im Rat der Volkskontrolle, der die Auflösung der Stasi überwachte. Viele Dokumente, die sie bei ARGUS einscannen lässt, stammen auch von der Schriftgut-Kommission. Diese entschied, welche Stasi-Akten aufgehoben und welche vernichtet werden können - eine Arbeit, die unter Kritik stand, weil nicht nur Akten vernichtet wurden, die angeblich "doppelt und dreifach" vorhanden waren. Später leitete Gisela Rüdiger die Potsdamer Außenstelle der Stasiakten-Behörde. Mögliche Forschungsfelder für Historiker deutete Gisela Rüdiger bereits an: Wie kam es zur Übernahme ehemaliger Stasi-Mitarbeiter in andere öffentliche Bereiche, etwa bei der Brandenburger Polizei?

Das Golmer Luch in Vergangenheit und Gegenwart

  • 1. März 2010

Golmer Bürgerinitiative erarbeitete einen Wanderführer und eine Archiv-CD zum Golmer Luch und zum Ortsteil Golm

Das Anliegen der Autoren war es, die Fülle des im Ort vorhandenen Wissens zu bündeln und in anschaulicher Form in einem kleinen Wanderführerund einer Archiv-CD für alle interessierten Bürger, für Schulen und Besucher verfügbar zu machen.
Die jüngsten Golmer Einwohner, wurden auf einer Exkursion im Jahr 2009 mit der Natur des Luchs und mit der vielfältigen und interessanten Geschichte ihres Ortes auf eine interessante und dem Alter angemessene Art bekannt gemacht.
Der Wanderführer liegt seit Januar 2010 fertig gedruckt vor und wurde an alle Golmer Haushalte zusammen mit der Ortsteilzeitung verteilt. Die CD mit den ausführlichen Dokumenten und neuesten Untersuchungen zur Fauna und Flora des Gebiets ist ebenfalls fertig gestellt und wird auf Nachfrage (E-Mail an info@argus-potsdam.de genügt) zugeschickt.
Die ANU Brandenburg unterstützte das Projekt mit Fördermitteln.

Ausstellung MACHT BESSER!

  • 16. November 2009

Eine gemeinsame Ausstellung der Fachhochschule Potsdam und der Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung ( ARGUS ) Potsdam e. V.

Logo_MachtBesser_2009Studierende der FH Potsdam befragten Zeitzeugen, recherchierten Berichte und historisches Bildmaterial. Neben einer Dokumentation der Bürgerbewegung in Potsdam steht für uns auch immer die Frage, was junge Menschen heute damit verbinden. Ist die Losung aus dem Herbst ’89 "Gegen Resignation und Angst, für Veränderungen und Hierbleiben" noch oder wieder aktuell? Für die Ausstellung legten die Studierenden selbst fest, was aus ihrer Sicht wichtig ist. Der Blick in die Vergangenheit wurde mit der Gegenwart konfrontiert. Im Fokus der Ausstellung stand die Sichtweise junger Menschen auf diese ferne Zeit.

Ausstellungsbesucher

Ausstellungsbesucher

Nur Mauer, Stacheldraht und Stasi?

  • 20. Oktober 2009

Potsdamer Neueste Nachrichten vom 20.10.09

Zwanzig Jahre nach dem Fall der „Berliner Mauer“ hätte man sich eigentlich schon dieses Anlasses wegen intelligentere Botschaften von den Klugen und Mächtigen erhofft als das, was in diesen Tagen im festlichen Unisono mitgeteilt wird: Schon interessant, wenn von einem weltweit anerkannten Ländlein oft nur die Kürzel „Mauer, Stacheldraht und Stasi“ übrigbleiben. Wie es die Alten „sungen“, so ist dann zu befürchten, zwitschern es auch die Jungen: Mauer, Stasi, Stacheldraht!

Wie sieht es aber nun genau jene Gruppe der Zwanzigjährigen, die mit voller Berechtigung als erste „nachgeboren“ genannt werden kann, und was ist vom „Geist des Aufbruchs“ angesichts der heutigen Lage geblieben? Studenten der Fachhochschule Potsdam machten sich jetzt selbst auf die Suche nach der Vergangenheit unter dem Motto „Potsdamer Bürgerbewegungen 89“. Die Studienbereiche Kulturarbeit, Archiv und Design sammelten besonders beim Co-Partner Argus, der damals gegründeten Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung Informationen, sichteten Dokumente und Materialien, interviewten die Aktivisten von einst, um sich ein eigenes Bild der damaligen Ereignisse zu machen. Was dabei herauskam, ist nun im „Schaufenster“ der Fachhochschule gegenüber dem Marstall auf etlichen Quadratmetern unter dem historischen Titel „Macht besser“ (das A als Hammer und Zirkel aus dem Staatswappen der DDR) zu sehen: Persönliche Erinnerungsstücke, aus Archiven gegrabenes Material, Behörden-Schriftwechsel, „Rückblenden“, die in Bild und Texten bis zur Zweiten barocken Stadterweiterung im 18. Jahrhundert reichen, vieles fein auf „Sauerkraut-Platten“ montiert, dazu Ton- und Interview-Dokumente, per Telefonhörer abzuhören.

Eine tolle Sammlung von historischem Stoff, natürlich „Potsdam-bezogen“: Die Neugestaltung der damaligen Klement-Gottwald-Straße (heute Brandenburger) 1975 kommt dabei genauso zur Sprache wie der erzwungene Abriss- und Neubaustop Ende November 87 in der Innenstadt. Gefälschte Kommunalwahlen samt jener Eingabe zweier Kämpfer. Neues Forum, Filme und Fotos von den Demos „im Zeichen der Hoffnung“, aber auch brennende Mülltonnen sowie Stasi-Protokolle vom 1. Pfingstberg-Fest im Juni 90. Aber das bürgerbewegte Jahr 1989 war nicht das Jahr 1990, die Engagierten von einst wurden zu Etablierten, die Vollendung der Einheit war nur noch ein Verwaltungsakt.

Angesichts ihres Materials hätte man dem guten Dutzend Studenten eigene Fragstellungen mit Blick auf heute gewünscht, mehr Mut und Unabhängigkeit, Berater ohne Portefeuilles, Geldgeber und Oberste mit Lerneffekt und weniger Ideologie, aber das ist wohl schon wieder Utopie. Die gut besuchte Vernissage am Freitagabend zeigte etwas anderes: Lobreden der Etablierten für den „Aufbruch“ von damals, Langweiliges aus dem Archivwesen, Salbungsvolles wider Mauer und Stasi aus ministeriellem Munde, nicht mehr. Irgendwer Höheres mokierte sich an diesem revolutionären Abend, weil eine längst glattgeputzte Toncollage den Liedermacher und IM Gerhard Gundermann hören ließ. „Halte durch“, war der historische Titel. Das geht so natürlich nicht! Die heutigen Chefs in der ersten Reihe redeten zuerst. Studenten dankten für die Unterstützung ihres Projektes – zuletzt. Befragt, warum sie sich das gefallen ließen, antwortete jemand: Es sind doch unsere Geldgeber! Gerold Paul

Oppositionsbewegung in der DDR-Wendezeit

  • 17. Oktober 2009

Märkische Allgemeine Zeitung vom 17.10.2009

Bei Schmalzbrot und schlechtem Wein - Eine Ausstellung von Studenten erinnert an die Potsdamer Oppositionsbewegung in der DDR-Wendezeit

Bilder, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen: Die Ausstellung „MACHT BESSER!“ in der Fachhochschule ist ein bewegendes Zeugnis der friedlichen Revolution von 1989 in Potsdam.

Von Steven Hanke

INNENSTADT Als im Herbst 1989 viele Potsdamer gegen Wahlfälschung und den Abriss von Plattenbauten auf die Straße gingen, waren sie noch kleine Kinder. Durch Zeitzeugenberichte, private Fotos und Dokumente, Zeitungsausschnitte, Tonbandaufnahmen und historisches Filmmaterial haben sich zwölf Studenten der Fachhochschule (FH) Potsdam aus den Bereichen Design, Archiv und Kulturarbeit ein eigenes Bild von den Ereignissen der friedlichen Revolution geMACHT.

Seit gestern sind die Impressionen in der Ausstellung „MACHT BESSER! – die Bürgerbewegung ’89 aus dem Blickwinkel junger Menschen“ im Schaufenster der FH an der Friedrich-Ebert-Straße zu sehen. Initiiert wurde sie von der Hochschule und der Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung (ARGUS), die vor 20 Jahren eine Plattform für die Oppositionellen war.

„Das ist eine wichtige Ausstellung“, lobte die noch amtierende Kulturministerin Johanna Wanka (CDU). Es werde gezeigt, wie wichtig es ist, ein inneres Wertesystem zu besitzen und sich nicht zu verbiegen. „Wenn man das vermitteln kann, war die Ausstellung ein großer Erfolg“, so Wanka. Der Rektor der FH, Johannes Vielhaber, nannte die Dokumentation ein „wunderbare Idee“. Die Professorin Susanne Freund meinte, dass man sich von den Bildern etwas abgucken kann. „Dieser Protest, die nächtelangen Diskussionen fehlen heute“, sagte sie, zum Beispiel, wenn es um die Stadterneuerung geht. Vielhaber kann sich vorstellen, dass die Ausstellung der Auftakt ist zu einer Reihe, die an die Ereignisse bis zur Wende erinnert, und hofft auf privates Material. Um mit den Akteuren von einst ins Gespräch zu kommen, will er die nächtlichen „Küchensitzungen“ der Oppositionellen von damals wieder aufleben lassen. Zum Ausklang von „MACHT BESSER!“ am 6. November ist ein Abendessen zum Gedankenaustausch im Schaufenster geplant. Bei Schmalzbroten, Suppe und „schlechtem Wein“ sollen auch Utopien für die Gegenwart entworfen werden.

Pressemitteilung der Bürgerinitiativen gegen die Netzverknüpfung

  • 23. September 2009

Bürgerinitiativen
„Rettet den See Caputh“, Golm, „Werder blüht was“, Wildpark e.V., Lokale Agenda 21 Nuthetal

Unerwünschte Ortsumfahrung Potsdam

Berichte über Planungen in Potsdam zur Wetzlarer Straße und in Werder zum Ausbau der L 90 und der Bahnüberführung werden stets aufmerksam verfolgt. Sie waren Anlass für Bürgerinitiativen aus Potsdam und Umgebung die Bundestags- und Landtagskandidaten ihrer Wahlkreise nach ihrer Haltung zur Ortsumfahrung Potsdam, die aus Bundesmitteln finanziert werden soll, zu fragen. Gefragt wurde, was die Kandidaten im Falle Ihrer Wahl in den Landtag Brandenburg tun würden, um zu erreichen, dass das Projekt Ortsumfahrung Potsdam nicht mehr Bestandteil eines neuen Bundesfernstraßenausbaugesetzes wird?

Von den insgesamt 21 angefragten Kandidaten antworteten 18. Bei der Bewertung der Antworten ist zu berücksichtigen, dass nur die Bundestagsabgeordneten einen unmittelbaren Einfluss auf die Ausgestaltung von Bundesgesetzen haben. Die Landtagsabgeordneten können lediglich mittelbar einwirken.

Es gab keine zustimmenden Antworten zur Ortsumfahrung Potsdam, weder von den Bundestags- noch von den Landtagskandidaten. Auch klare Unterschiede zwischen den Parteien lassen sich nicht ausmachen. So gibt es Antworten mit einer detaillierten nachvollziehbaren Begründung, wie z.B. die von Cornelia Behm (Bündnis 90/GRÜNE) und Susanne Melior (SPD) genau so wie wenige kurze Sätze zur eigentlichen Frage in einem insgesamt umfangreichen Brief. Zwischen den Ablehnungen gibt es deutliche Differenzierungen. Sie reichen von „… Die Ortsumfahrung Potsdam steht für mich derzeit nicht auf der Agenda. … Ich würde mich … dagegen aussprechen, dass die Ortsumfahrung Potsdam …heraufgestuft wird“ (Andrea Wicklein, SPD)
bis zu
„… Bündnis 90 / Die Grünen lehnen den Bau einer Potsdamer Ortsumfahrung …seit langem ab. … werden daher … alles versuchen, damit dieses Projekt endlich aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen bzw. … herabgestuft wird….“(Cornelia Behm, Bündnis 90 / Die Grünen) oder „… Ich stehe dem Projekt ablehnend gegenüber und habe mich mit dieser Haltung an allen Diskussionen zum Thema beteiligt. … Mit den brandenburgischen Bundestagsabgeordneten bin ich in engem Kontakt und werde dort ebenfalls darauf hin wirken, dass es keine Havelspange gibt." (Susanne Melior, SPD)

Die Antworten der LINKEN-Kandidaten lassen sich mit den Antworten von Anita Tack und Andreas Bernig zusammenfassen. „…werde ich mich weiterhin dafür einsetzen, dass der meiner Meinung nach nicht notwendige und nur mehr Verkehr von den Autobahnen anziehende Bau einer OU Potsdam endgültig aus dem Bundesverkehrswegeplan verschwindet …. Anstelle von Straßenneubau muss die Erhaltung der bestehenden Verkehrsinfrastruktur treten. … „

Auch die Antworten der CDU-Kandidaten Gerhard Enser und Katherina Reiche lassen an Deut-lichkeit nichts zu wünschen übrig: „… Für mich zählt die Ortsumfahrung Potsdam zu den Projek-ten, die keinen Platz in zukünftigen Bundesfernstraßenausbaugesetzen finden sollten. …“ und „…Ich spreche mich gegen den Bau einer Verbindung von B1 und B2 über den Templiner See als Teil der so genannten Netzverknüpfung aus und werde mich in der nächsten Legislaturperiode dafür einsetzen, dass das Projekt nicht in das Bundesfernstraßenausbaugesetz mit aufgenommen wird. …“

Nach mehr als 10 Jahren Überzeugungsarbeit unter den Einwohnern der betroffenen Kommunen können wir feststellen, dass unsere Argumente nicht ungehört blieben. Das bestätigt uns darin, auch künftig Straßenbauplanungen kritisch auf ihre Wirkungen für die Bürger zu hinterfragen und die Abgeordneten von Bundestag und Landtag an ihren Taten zu messen.

Für Rückfragen steht Ihnen der Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet den See Caputh“,
Prof. Dr. Thomas Schildhauer zur Verfügung.
Fon: 033209 21990, Fax: 033209 21992, E-Mail: thomas@schildhauer.name
Caputh, den 22.September 2009

Preis für zwei Potsdamer Schulen – Geschichtswettbewerb zu DDR und Wende

  • 11. Juli 2009

Potsdamer Neuste Nachrichten vom 11. Juli 2009

Warum brennende Mülltonnen in der DDR ein alltägliches Bild waren und wie die Potsdamer Umweltbewegung zu einer Keimzelle der "Friedlichen Revolution" wurde, damit beschäftigten sich die Schüler der Waldorfschule Potsdam in ihrer Arbeit zur Umweltbewegung in der DDR. Gestern wurden sie für das Projekt in Berlin ausgezeichnet. Gemeinsam mit dem Evangelischen Gymnasium Hermannswerder gehörten die Waldorfschüler zu den Gewinnern des Geschichtswettbewerbs "Jugendgeschichtsforum", wie das Bundesverkehrsministerium mitteilte. Im 20. Jahr nach dem Mauerfall sollten sich die Wettbewerbsteilnehmer mit einem Thema aus der DDR-Geschichte, der Wende oder der Nachwendezeit beschäftigen. Minister Wolfgang Tiefensee zeichnete die Sieger gestern in Berlin aus.

Insgesamt 13 Waldorfschüler aus den Klassen 10 und 11 hatten für ihr Projekt Interviews mit ehemaligen und heutigen Mitgliedern der Argus (Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung) und mit Umwelt-Fachleuten, darunter auch der heutige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und die Potsdamer Grünen-Stadtverordnete Saskia Hüneke, geführt, teilte Geschichtslehrerin Sibylla Hesse mit. Kooperationspartner waren die Geschichtswerkstatt Lindenstraße 54/55 sowie die nunmehr geschlossene Potsdamer Außenstelle der Stasiunterlagenbehörde. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Schüler auf der Internetseite http://umwelt-ddr.argus-potsdam.de.

Die Waldorfschule wird sich ab Herbst erstmals auch am "Stolperstein"-Projekt beteiligen, sagte Sibylla Hesse den PNN. Wie berichtet sind die Vorbereitungen für den dritten Verlegungstermin der pflastersteingroßen Gedenktafeln für ermordete jüdische Mitbürger bereits angelaufen. "Stolperstein"-Initiator Gunter Demnig will demnach im Mai/Juni 2010 sechs Steine in Babelsberg verlegen. Waldorfschüler aus den Klassen 10 bis 12 werden vorher die Lebensgeschichten der Geehrten recherchieren. Die Voltaireschule unterstützt das Projekt erneut. Das Babelsberger Kino "Thalia" wird erstmals dabei sein: "Wir finanzieren einen Stein", sagte Sprecherin Daniela Zuklic den PNN. Außerdem sei ein projektbegleitender Film "von Schülern über Schüler" angedacht, so Zuklic. Dafür biete sich eine Zusammenarbeit mit der Hochschule für Film und Fernsehen an. In Potsdam gibt es bereits 13 "Stolpersteine", bundesweit laut Gunter Demnig mehr als 17 000. JaHa

Beiträge durchsuchen