ARGUS Aktuell » Archiv für Oktober 2008

Ausländer wollen das Welterbe sehen

  • 27. Oktober 2008

Dieser Status ist wirtschaftlich und touristisch für Potsdam von hoher Bedeutung, stellte von Argus veranstaltete Konferenz fest

Potsdamer Neuste Nachrichten vom 27.10.2008

Als Wirtschaftsfaktor für Potsdam hält Investor Dirk Onnen den Welterbestatus der Schlösser und Gärten für nicht erheblich. Das erklärte der Geschäftsführer der Norddeutschen Boden AG in einer Podiumsdiskussion der Tagung "Welterbe und bürgerschaftliches Engagement", die am Wochenende im Alten Rathaus stattfand.

Diese Äußerung blieb nicht unwidersprochen. Die Aufnahme in das Welterbe habe Investitionen in vielfacher Millionenhöhe nach Potsdam fließen lassen, erklärte Saskia Hüneke als Sprecherin des Bürgervereines Argus, der die zweitägige Konferenz veranstaltete. Unstrittig sei, dass seitdem die Immobilien in der Landeshauptstadt deutlich an Wert gewonnen haben. Marketing-Fachleute haben ermittelt, dass der Welterbestatus den Tourismus entscheidend fördert. Internationale Reiseunternehmen konzentrierten ihre Europaangebote zunehmend auf die Welterbestätten.

In der Arbeitsgruppe "Leben mit dem Welterbe" hatte Wolfgang Cornelius zudem erklärt, der Welterbestatus habe wesentlich zur Rettung des Einzelhandels im Zentrum Potsdams beigetragen. Die Angebote müssten diesem hohen Anspruch genügen, wozu auch ausreichende Parkmöglichkeiten und die Schaffung größerer Handelsflächen durch Zusammenfassung mehrerer Läden hinter den Barockfassaden gehören sollten.

Die Tagung machte deutlich, dass der Welterbestatus gegen überdimensionierte Bau- und Verkehrsvorhaben verteidigt werden muss. So ließ seitens des deutschen Nationalkomitees Icomos Sprecher Giulio Marano keinen Zweifel daran, dass die Unesco der Dresdner Elblandschaft wegen des Baus der Waldschlösschenbrücke den Welterbestatus aberkennen wird. Diese Gefahr bestand auch für Potsdam, doch hat bürgerschaftliches Engagement zur Reduzierung der überdimensionierten Bauplanungen am Hauptbahnhof geführt und den Rauswurf abgewendet, erinnerte Saskia Hüneke. Über die begonnene Erarbeitung von Regelungen für den Umgebungsschutz des Welterbes hinaus forderte sie ein Leitbild für Potsdam als Welterbestadt, dass für die Bürgerschaft ebenso gilt wie für die Behörden, die Verkehrsplaner oder die Bauherren. Die bisherige Konfliktliste sollte ständig aktualisiert und ein Gremium zur Konfliktvermeidung gegründet werden. Probleme können immer neu entstehen - so halten, wie eine Publikumsanfrage ergab, viele Potsdamer die von der Schlösserstiftung am Neuen Palais zugelassene riesige Zeltstadt für eine Firmenfeier des Rewe-Konzerns für nicht vereinbar mit dem Welterbestatus. Generaldirektor Prof. Hartmut Dorgerloh rechtfertigte diese Entscheidung mit wirtschaftlichen und touristischen Vorteilen für die Stiftung.

Wann soll man bei Konflikten die Unesco zu Hilfe rufen? Gar nicht, meint Stadtplanungschef Andreas Goetzmann, die Probleme müssten ohnehin am Ort gelöst werden. Dem widersprach als Vertreterin des bürgerschaftlichen Engagements Hüneke: Sie weiß aus eigener Erfahrung mit den Bahnhofcenterplänen, dass "ein Hilferuf nach Paris" durchaus nützlich sein kann. Er sollte inhaltlich substanziell und auf Englisch abgefasst sein. Klage- und Jammerschriften blieben wirkungslos. Erhart Hohenstein

ANGEMERKT: Frank Kallensee über UNESCO-Forderungen und das Potsdamer Weltkulturerbe

  • 27. Oktober 2008

Pufferzone

Märkische Allgemeine Zeitung vom 27.10.2008

Wer heute auf die Liste will, muss vorher eine Liste abgearbeitet haben. Denn Welterbe wird nur noch, was drumherum eine Pufferzone hat. Außerdem ist ein Managementplan gefordert. Fehlt beides, sind Bewerbungen überflüssig. Für Potsdam, bedeutet das, hätte dieser Tage mit seinen Schlössern und Gärten keine Chance. Die Ansage des deutschen UNESCO-Nationalkomitees ist unmissverständlich. Deshalb muss die Stadt nun nachbessern à la Lübeck etwa, wo begrenzte Bauhöhen in klar definierten Arealen des Stadtgebietes festgelegt sind. Allerdings verhandele die Kommune bereits mit der Schlösserstiftung über solche Vereinbarungen, war am Wochenende während eines Welterbe-Symposiums zu vernehmen.

Das heißt aber auch, dass die UNESCO aus einem Debakel wie dem mit Dresdens Waldschlösschenbrücke gelernt hat: Die Latte liegt jetzt hoch. Künftige Antragsteller sollten also überlegen, ob sie die mit dem Welterbe-Titel verbundenen Pflichten ihren Bürgern überhaupt vermitteln können. Konfliktfrei geht das nämlich selten ab.

WELTKULTURERBE: Sorge um Sichtachsen

  • 27. Oktober 2008

Auf einer Tagung in Potsdam beraten Denkmalpfleger und Investoren

Märkische Allgemeine Zeitung vom 27.10.2008

POTSDAM - Weil Potsdam keine Pufferzone um seine Schlösser und Gärten eingerichtet hat, würde die UNESCO heute einen Antrag als Weltkulturerbe ablehnen, warnte Giulio Marano, Sprecher der Monitoringgruppe des deutschen UNESCO-Nationalkomitees ICOMOS in Potsdam. Marano war Referent der Tagung Weltkulturerbe und bürgerschaftliches Engagement, die am Freitag und Samstag im Alten Rathaus stattfand. Er sei aber erfreut zu hören, dass jetzt an Plänen für eine Pufferzone gearbeitet werde. Solch ein schützender Gürtel, in dem beispielsweise Bauhöhen in bestimmten Stadtteilen festgeschrieben seien, und ein Managementplan seien heute Voraussetzung für eine Bewerbung, erklärte Marano. Die Verhandlungen zwischen Stadt, Land und der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg über die Pufferzone sollen bis zum Jahresende abgeschlossen sein, versprach Baubeigeordnete Elke von Kuick-Frenz (SPD).

Marano sprach über Kriterien für die Aufnahme als Weltkulturerbe und kündigte gleich an, dass das Thema für einen 30-minütigen Vortrag zu komplex sei. Immerhin lägen der Entscheidung 40 Konventionen und über 300 Richtlinien zugrunde. Herauszuheben sei aber der außergewöhnliche universelle Wert eines Gebäudes, einer Stadt, einer Tradition oder eines Naturphänomens.

Dirk Onnen, Investor in Potsdam und Geschäftsführer der Norddeutschen Boden AG, brachte Schwung in die Veranstaltung, als er schilderte, wie sich die Zusammenarbeit mit der Schlösserstiftung und der Denkmalpflege aus seiner Sicht darstelle: Der Investor ärgert sich über den Mangel an Respekt und Entgegenkommen bei langwierigen Debatten sowie über Änderungswünsche, die erst kurz vor Baubeginn geäußert würden. Er wünsche sich mehr Koordination und attestierte seinen Gesprächspartnern ein psychologisches Problem, das ihn als der böse Investor darstelle.

Das konnte Stiftungskonservatorin Gabriele Horn natürlich nicht so stehen lassen: Sie plädierte dafür, früher ins Gespräch zu kommen und pries Simulationen, die Behinderungen von Sichtachsen frühzeitig erkennen ließen. Mittels Feuerwehrleitern und Lampen habe die Stiftung diese Simulationen durchgeführt. Die Bewahrung der Sichtachsen sei wichtig, um die Verknüpfung der Parkanlagen, die in Potsdam einzigartig sei, zu erhalten.

Was passieren kann, wenn das Weltkulturerbe nicht gepflegt und bewahrt wird, führte das Beispiel der Dresdener Waldschlösschenbrücke vor Augen. Einigermaßen frustriert äußerte sich Thomas Löser, Sprecher des "Bürgerbegehren Welterbe erhalten durch Elbtunnel am Waldschlösschen e.V.". Der Verein habe vorgeschlagen, einen Tunnel statt der Brücke zu bauen, doch diese Initiative sei massiv von der Stadt Dresden und insbesondere der CDU behindert worden. Der Freistaat hat kein Interesse daran, wir können im Prinzip nichts mehr machen, ist Lösers resigniertes Fazit. Das soll Potsdam dank Pufferzone und Sichtachsensimulationen freilich erspart bleiben. (Von Anne Meyer-Gatermann)

Welterbe - Lust und Last

Die Schlösser und Parks in Potsdam und Berlin vereinigte der Gartengestalter Peter Joseph Lenné im 19. Jahrhundert zu einem von Sanssouci bis zur Pfaueninsel reichenden Arkadien. 1990 nahm die UNESCO diese einzigartige Kulturlandschaft in die Liste des Welterbes der Menschheit auf.

Zur Tagung "Welterbe und bürgerschaftliches Engagement" hatte der ARGUS e. V. Potsdam eingeladen. Der Verein war 1988 im Kulturbund als "Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung" gegründet worden. Seine Mitglieder nehmen heute als sachkundige Bürger und Beiratsmitglieder aktiv an der politischen Meinungsbildung in der Stadt teil. Hauptthemen sind Stadtgestaltung, Stadtverkehr sowie die Beachtung des Natur- und Umweltschutzes.

Im Mittelpunkt des Symposiums stand die Frage, wie Strategien zur Vermeidung von Konflikten zwischen Bürgergesellschaft und den mit dem Welterbe-Status verbundenen Verpflichtungen zu finden sind. fk

Stadt wird zur Pufferzone

  • 24. Oktober 2008

Welterbe-Konzept gegen Baukonflikte / Investor Onnen kritisiert Verwaltung

Potsdamer Neueste Nachrichten, 24.10.2008

Von Henri Kramer

Wenn Potsdam bei der UNESCO heute für die Schlösser und Gärten den Status als Weltkulturerbe beantragen würde, wäre mit einer Ablehnung zu rechnen. Diese überraschende Erkenntnis formulierte gestern Giulio Marano, Sprecher im deutschen UNESCO-Nationalkomitee IICOMOS. Heute wird verlangt, dass es eine vernünftige Pufferzone zum Welterbe und einen Managementplan dafür gibt, sagte Marano. Solche Instrumente besitze Potsdam noch nicht. Pufferzonen in anderen Welterbe-Kommunen wie Lübeck sehen zum Beispiel begrenzte Bauhöhen in klar definierten Teilen des Stadtgebietes vor. Marano war einer der Redner zum Auftakt der zweitägigen Welterbe-Konferenz des Bürgervereins Argus e.V. Bis heute Nachmittag soll dabei im Alten Rathaus über das Spannungsfeld Bauplanung und Welterbe diskutiert werden - und wie sich die Potsdamer dabei beteiligen können.

Gestern ging es jedoch zunächst um grundsätzliche Themen etwa um Pufferzonen und deren Koordination, um schon im Vorfeld harsche Architekturkonflikte wie vor Jahren am Glienicker Horn oder beim Potsdam-Center zu entschärfen. Ein Konzept für einen möglichst bindenden Umgebungsschutz, was mit dem Begriff Pufferzone auch gemeint ist, sei aber bereits in Arbeit. Das sagte Potsdams Baubeigeordnete Elke von Kuick-Frenz (SPD). Es geht dabei um präzise Vereinbarungen über Verfahrenswege, wenn sich Stadt, Land und die Schlösserstiftung untereinander abstimmen, sagte von Kuick-Frenz. Mit dem Abschluss der Verhandlungen zum Puffer-Konzept werde zum Jahresende gerechnet, hieß es. Marano erklärte die Bedeutung solcher Zonen: Der Städtebau wird schwieriger, weil mehr Rücksicht auf das nahe Welterbe genommen werden muss.

Wie die Konflikte praktisch aussehen, die es in den vergangenen Jahren zwischen Investoren und Denkmalschützern gab, zeigte das Referat von Dirk Onnen, der in Potsdam seit 1990 großflächig baut und derzeit etwa das Projekt Hegelallee 25/26 plant. Das Areal hatte Onnen vor fünf Jahren gekauft, seitdem will er es entwickeln. Viele seiner Entwürfe waren umstritten, mehrmals plante er um. Onnen warf den Potsdamer Behörden auch in diesem Zusammenhang vor, ihnen fehle eine Kultur des gegenseitigen Respekts, manchmal empfinde er gefühlte Gegnerschaft. Gleichzeitig bemängelte er Hierarchiegerangel in der Verwaltung: Bereiche wie das Grünflächenamt würden, um mal wieder gehört zu werden, schon von Beginn an Maximalforderungen stellen. Als Folge würden Architekturentwürfe nach dem Gang durch alle Behörden oft als kleinster gemeinsamer Nenner enden. Stellen sie sich vor, Knobelsdorff hätte so arbeiten müssen, so Onnen. Ebenso warf der Investor vor allem der Bauverwaltung mangelnde Entscheidungsfreude vor gerade nach der Skandal-Rede von Jauch über Willkür beim Denkmalschutz und dem folgenden Battis-Bericht. Dinge werden delegiert und verschoben, es fehlt an Führung, sagte Onnen. Dazu vermisse er einen Koordinator zwischen den Ämtern, einen Schlüsselmanager wie in der Industrie. Es brauche deutlich früher als bisher einen Dialog aller Verantwortlichen für ein Bauprojekt, gemeinsam an einem Tisch.

So eine gemeinsame Problemlösung wünsche sie sich auch, sagte Gabriele Horn, die Konservatorin der Schlösserstiftung. Doch wehre sie sich gegen prinzipielle Kritik an Denkmalschützern: Wir denken in Zeiträumen von 100 Jahren. Deswegen müssten Konservatoren dafür sorgen, dass der Charakter Potsdams bestehen bleibe: die einzigartige Einbettung in die historische Gartenlandschaft.

Veranstaltung Welterbe und bürgerschaftliches Engagement

  • 6. Oktober 2008

Bürgerbeteiligung im Spannungsfeld zwischen Welterbe, Bau- und Verkehrsplanung

Schirmherrin: Ministerin Prof. Dr. Johanna Wanka
Schirmherr: Oberbürgermeister Jann Jakobs

Altes Rathaus Potsdam
Freitag, 24. Oktober und Samstag, 25. Oktober 2008

Mit diesem Thema greift ARGUS eine aktuelle Diskussion in mehreren Welterbestätten Deutschlands auf.

Die Veranstaltung leistet einen Beitrag zur Vermittlung der Werte, die mit dem Status des Weltkulturerbes für die Bürgergesellschaft verbunden sind.

Es werden Lösungswege bei auftretenden Konflikten dargestellt. Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt:

Welches sind für Bürger nachvollziehbare Maßstäbe für Aufnahme und Gebietsabgrenzung, für Gefährdung und für Streichung von Städten aus der Welterbeliste?

Wie können praktikable Strategien zur Konfliktvermeidung und gute Erfahrungen bei der Lösung von Konflikten aussehen?

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Wir laden Sie ein! [Download Flyer]

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