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Bessere Anbindung für Golm

  • 1. April 2011

Workshop IHK, Stadtverwaltung, VIP

Workshopteilnehmer

Potsdamer Neueste Nachrichten vom 1. April 2011

Auf Flügeln nach Golm
Bürgerbeteiligung zum Verkehrskonzept für Mai angekündigt
Von Günter Schenke

Innenstadt – Tilo Schneider von der Industrie- und Handelskammer (IHK) weiß, wie der Regionalexpress 1 (RE1) noch effizienter quer durch das Land Brandenburg touren kann. Kuppeln und Flügeln, heißt die Empfehlung einer Studie vom Dezember 2010 (PNN berichteten). Das Prinzip: Nicht die Fahrgäste steigen um, sondern verschiedene Zugteile steuern unterschiedliche Ziele an. Wie Flügel sehen die auseinander driftenden Strecken auf der Karte aus. Daraus ergebe sich laut Schneider ein perfekter Halbstundentakt zwischen Eisenhüttenstadt und Magdeburg mit Vorteilen für Potsdam und Golm. Außerdem könnten Haltepunkte in Grube und Dallgow eingerichtet werden. Voraussetzung dieses Konzeptes, das in Städten wie Hamburg, München oder Aachen bereits funktioniert, sind neue Triebwagen mit speziellen Kuppel-Mechanismen. Die Studie, welche die IHK Potsdam und der Wissenschaftspark Golm in Auftrag gaben, setzt auf die Bahn und hält eine Tram-Ergänzung für nicht notwendig.

Die Bahn-Vision sowie die geplante Tramstrecke zwischen Potsdam-West und Eiche-Golm waren die Themen einer Diskussion, zu der der ARGUS-Verein und der Verkehrsclub Brandenburg Mittwochabend ins Haus der Natur geladen hatten.

Klar ist, dass für die täglich 11000 Pendler zwischen Golm und Berlin bessere Beförderungslösungen gefunden werden müssen. Wie berichtet gibt es gegen eine Straßenbahn erheblichen Widerstand einer Bürgerinitiative in Eiche. Martin Weis, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebs ViP, hingegen bekräftigt: „Es ist eine sinnvolle und technisch mögliche Variante“. Einzelheiten über die Führung der Trasse gab er nicht bekannt. Die Probleme liegen offenbar im Detail. Der ehemalige CDU-Stadtverordnete Eberhard Kapuste (CDU), der in Eiche wohnt, sagt: „Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wo die Straßenbahn entlang fahren soll, es gibt doch nur den Weg durch Gärten und Häuser.“ Ortsvorsteher Ralf Jäkel ( Linke) fürchtet, dass das Tram-Projekt infolge der Proteste ad acta gelegt wird: „Wir sollten keine sinnvolle Variante vorschnell verwerfen.“ Wie die IHK-Studie will auch Jäkel die RE1-Taktfolge und den Halt auf den Bahnhöfen Charlottenhof und Sanssouci (ehemals Wildpark) verbessern.

Wie Bernd Kahle, Bereichsleiter für Stadt- und Verkehrsentwicklung, bekanntgab, werde es im Mai eine erste Bürgerbeteiligung zum „Stadtentwicklungskonzept Verkehr“ geben. Die diskutierten Probleme in Eiche-Golm seien darin nur ein Teil. Das Konzept gelange anschließend in die Stadtverordnetenversammlung und in die Runde der Fachausschüsse.

Die Befürchtung der Bürgerinitiative Eiche, dass schon 2012 mit dem Bau einer Straßenbahntrasse begonnen werden könnte, zerstreut Kahle. „Es hat noch keine Entscheidung über eine Tram nach Eiche-Golm gegeben“ , versichert er. Das Verkehrskonzept betreffe die Entwicklung der nächsten 15 Jahre. Dabei gehe es um unterschiedliche Verkehrsarten, die sich ergänzen sollen.

 
 

Weis, Kahle, Mai+Mai, Hüneke

Aufmerksame Zuhörer

Märkische Allgemeine Zeitung vom 1. April 2011

Wenig Begeisterung für Straßenbahn nach Golm / Uni soll Vorlesungsstau entzerren
VERKEHR: Umstrittene Streckenführung
Von Rainer Schüler

POTSDAM / GOLM - Das Projekt einer Straßenbahn nach Golm ist nicht nur wegen der Streckenführung umstritten; sein Sinn wird auch grundsätzlich bezweifelt. Auf einer Diskussion der Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung (ARGUS) am Mittwochabend wurde klar, dass die Überfüllung von Bussen und Eisenbahn zwischen den Uni-Standorten Potsdams und Golm nur zwischen 8 und 9 Uhr morgens akut ist. Grund ist der Beginn der meisten Vorlesungen um neun Uhr. Betroffen sind nach Angaben des städtischen Bereichsleiters für Verkehrsplanung, Bernd Kahle, auch nur zwei Dienstagszüge. Man habe die Uni gebeten, den Seminarbeginn zu staffeln und Vorlesungen auch auf Montag und Freitag zu legen. Dann würde die Kapazität der Eisenbahn sogar reichen.

Ausreichend ist in den Augen des Universitäts- und Wissenschaftsparkes Golm eine Verdichtung der Eisenbahntakte, wie sie die Industrie- und Handelskammer (IHK) vorschlägt (MAZ berichtete). Die IHK will Züge in einen Langstrecken- und einen Kurzstreckenteil „flügeln“ und dank des Kurzstreckenzuges die Zugfolge auf den am stärksten genutzten Abschnitten erhöhen. In der IHK-Studie „Drehkreuz Potsdam-Golm“ wird davon ausgegangen, dass zwei Regionalbahnlinien auf dem Abschnitt Potsdam-Golm zuweilen überfordert sind, während sie auf den Abschnitten davor und danach viel „Luft durch die Landschaft fahren“. Das vom Nahverkehrsberater Dieter Doege erstellte Konzept sieht vor, dass der Regionalexpress RE1 von Eisenhüttenstadt nach Magdeburg in Potsdam geteilt wird. Der vordere Flügel würde nach Magdeburg fahren, der hintere einen Haken schlagen über die Bahnhöfe Charlottenhof, Park Sanssouci und Golm nach Berlin-Spandau. Da 80 Prozent der 7500 Golmer Studenten aus Berlin kommen, würde die Spandau-Anbindung Erleichterung schaffen gegenüber der Einpendelstrecke über Berlin-Hauptbahnhof und Potsdam. Außerdem könnten Potsdams Umlandgemeinden angebunden werden.

Die Regionalbahn 14 von Nauen über Spandau nach Berlin-Hauptbahnhof könnte in Spandau geflügelt werden; der hintere Teil würde den Bogen nach Potsdam nehmen. Beide Kurzflügel führen dann wieder zurück zum Teilungspunkt und würden dort erneut an den Stamm-Zug angekoppelt. Das findet breite Zustimmung, während die Straßenbahn Potsdam-Golm umstritten ist. Die Tram gilt als umweltfreundlich, bequem, weitgehend wetterunabhängig und wenig staugeplagt. Dagegen sprechen die mindestens zehn Millionen Euro, die der Bau der Strecke kosten würde und der Trassenverlauf. Die Tram müsste am Abzweig Kastanienallee der viel zu engen Geschwister-Scholl-Straße folgen, das Welterbeareal hinter dem Neuen Palais kreuzen, auf die Kaiser-Friedrich-Straße schwenken, hinter dem Polizeigelände durch den Wald fahren und am Wohngebiet Altes Rad wieder auf die Kaiser-Friedrich-Straße zurück kommen. Sie nutzt in der Vorzugsvariante des ViP von da den vorhandenen Straßenverlauf bis Golm. Die Straßen sind derzeit zu schmal; die Trasse würde Wohngebiete tangieren oder kreuzen. Der ViP hat dem Vernehmen nach auch zwei abweichende Trassenführungen geprüft, aber offenbar verworfen.

Zur Unterzeichnung des Vertrages zum Schutz des Welterbes in Potsdam

  • 2. Februar 2011

ARGUS-Pressemitteilung vom 02.02.2011

ARGUS Potsdam e.V. und .die Bürgerinitiativen Wildpark e.V., „Rettet den See“ (Caputh), „Werder blüht was“ (Werder), „Verkehrsberuhigung in Potsdam-West“ und Golm begrüßen es, dass nach langer Zeit eine Verwaltungsvereinbarung zum Schutz der Pufferzonen um das Weltkulturerbe in Potsdam unterzeichnet wurde.

Damit kommt die Landeshauptstadt nicht nur internationalen Anforderungen nach, sondern erweist sich selbst den besten Dienst:
Je behutsamer die Stadtentwicklung mit dem wertvollen Erbe umgeht, umso mehr wird sie die Einzigartigkeit Potsdams stärken. Das hat mittelbar und unmittelbar Einfluss auf die Lebensqualität für die Bürger der Stadt. Zugleich ist die Attraktivität der Stadt auch die Grundlage für einen wichtigen Bereich der Wirtschaftsentwicklung, für den Tourismus.

Es wird jedoch auch künftig viel davon abhängen, wie der Oberbürgermeister und seine Verwaltung dieses Anliegen in das tägliche Verwaltungshandeln aufnehmen. Die Bürgerinitiativen und ARGUS werden auch weiterhin ein besonderes Augenmerk auf die Pufferzonen legen, die das Umfeld der Welterbestätten bilden und schützend zu deren Erhalt beitragen. Ein bedeutender Bestandteil davon ist der Wildpark, der nicht zuletzt gleichsam den Naherholungsbereich für die Bürger Potsdams bildet.

Nachdem Abschluss der Vereinbarung haben die Bürger, denen der Schutz des Welterbes am Herzen liegt, die berechtigte Erwartung, dass über die Inhalte der Vereinbarung von den Vertragspartnern möglichst breit informiert wird. Transparenz ist eine Voraussetzung für die Wirksamkeit.

Neues Bahnkonzept für Potsdam und umliegende Gemeinden

  • 22. Dezember 2010

ARGUS-Pressemitteilung vom 22.12.2010

Die IHK Potsdam und der Wissenschaftspark Golm stellten in der letzten Woche ein neues Bahnkonzept für den Raum Potsdam vor. Nach erster Durchsicht kommt der Vorstand von ARGUS zu folgender Einschätzung:

  • Das hier praktizierte Vorgehen, vorhandene Potenziale im Schienenverkehr zu prüfen und darauf aufbauend Lösungswege zu entwickeln, wird begrüßt.
  • Besonders hervor zu heben ist die entscheidend verbesserte Anbindung des Wissenschaftsstandorts Golm an das Potsdamer Zentrum, an Berlin und an den Flughafen BBI. Eine seit langem bestehende Forderung des Wissenschaftsstandortes Golm kann auf diese Weise erfüllt werden.
  • Ein weiterer wichtiger Vorteil ist der geplante 30-Minuten-Takt für den Bahnhof Charlottenhof. Er bringt sowohl für die Universität, die Studierenden und für die Bürger im Einzugsbereich des Bahnhofs in Potsdam West wesentliche Verbesserungen.
  • Auffallend ist die detaillierte Ausarbeitung der Planungen. So ist z.B. in den Vorschlägen sogar eine spürbare Verbesserung für die Studenten in Griebnitzsee (Ankunftszeiten auf Vorlesungsbeginn besser abgestimmt) enthalten.
  • Hervorzuheben ist die konsequente Einbeziehung der Umlandgemeinden in das Bahnkonzept. Die attraktive Anbindung von Michendorf, Nuthetal und Schwielowsee ist nicht nur überzeugend, sie bietet auch eine attraktive Alternative den täglich nach Potsdam „einfallenden“ Berufsverkehrs mit dem PKW.

Das Konzept ist für einen Wissenschaftsstandort angemessen - intelligente Lösungen für schwierige Aufgaben unter Nutzung vorhandener Ressourcen.

Im kurzen Sommer des Aufbruchs

  • 12. November 2010

Potsdamer neueste Nachrichten vom 12.11.2010

Projektgruppe der FH legt zusammen mit Argus eine DVD zum Herbst 1989 vor

Von Lene Zade

Es war ein freundlicher Sommertag. Die Sonne schien, es war warm und die Wiese lud zum Sitzen ein. Und zum Feiern. Viele waren gekommen, damals zum ersten Pfingstbergfest am 10. Juni 1989 mit dem so harmlosen Titel „Kultur in der Natur“. Das klang zwar nicht ganz so großartig wie Woodstock, das die Anwesenden sowieso nur als Mythos kannten, und auch nicht wie Weißensee, wo in der kleinen DDR hin und wieder große Weststars wie Bruce Springsteen auftraten. Aber es hatte einen ganz besonderen Charme, weil hier keine FDJ einlud und kein Kulturministerium, sondern ein Verein, gegründet von Leuten, die sich um Umweltschutz und den Erhalt der Städte sorgten. Das war irgendwie auch politisch. Nur anders. Anders als es die meisten gewöhnt waren aus Schule und Zeitung.

Vor einem Jahr erinnerte eine von FH-Studierenden organisierte Ausstellung an das „erste selbst organisierte Festival“ in der Potsdamer Kulturlandschaft, an die Initiatoren der Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung, kurz Argus, und an die Ereignisse im Herbst 1989. Nun, ein Jahr später, erstellte eine neue Projektgruppe in Kooperation mit Argus aus dem gesammelten Material eine DVD, die als begleitendes Lehrmaterial die jüngste Lokalgeschichte in Schulen vermitteln soll und am Dienstagabend im Stadtzentrum präsentiert wurde. Gefeiert wurde in einem der Gebäude, die dem Rückbau des Stadtkerns in einen Vor-DDR-Zustand weichen werden – dem FH-Gebäude am Alten Markt.

Die Kritik am sozialistischen Städtebau, der eine zum Teil verheerende Verwahrlosung von Altbausubstanz zeitigte, war die Initiation für die Gründung von Argus. Das dokumentiert die DVD in Zeitzeugeninterviews, Fernsehberichten, Fotos und schriftlichen Zeugnissen genauso wie die Proteste gegen Wahlfälschungen, die konkreten Initiativen gegen brennende Mülltonnen und die Demonstrationen vom Oktober und November.

Ein Stadtplan aus Vorwendezeiten dient als Navigationsoberfläche, auf der fünf Buttons zu den inhaltlichen Schwerpunkten führen. Die klare Gliederung ist ansprechend, wohingegen die Aufarbeitung der Quellen nicht immer überzeugt. Es fehlt die Erwähnung anderer oppositioneller Gruppen aus den Bereichen Musik und Bildender Kunst und, wenn schon der Schwerpunkt auf dem Widerstand gegen den verfehlten Städtebau liegt, dann hätte auch die Bewegung des „Schwarz-Wohnens“ eine Würdigung verdient. Ohne diese Hausbesetzer des Sozialismus, die unerlaubt in marode Häuser zogen und sich zwischen Hausschimmel und qualmenden Öfen ein bisschen Freiraum schufen, wäre etwa das Holländerviertel noch viel massiver und schneller verfallen.

Unbefriedigend ist auch das grundsätzlich zu lobende Glossar, das nicht nur Begriffserklärungen bietet, sondern auch über die Lebensläufe wichtiger Protagonisten aufklärt. Doch warum enden einige Biografie abrupt 1989, andere nicht? Einige fehlen ganz. Hier hätte der Blick eines Historikers sicher korrigierend einwirken können. Dennoch bietet die DVD einen spannenden Einblick in eine Zeit, in der die Dokumentierenden gerade erst geboren wurden. Die Studierenden der Projektgruppe von „Macht Besser!“ dürften heute so alt sein, wie es im Durchschnitt die Besucher damals auf dem Pfingstberg vor 21 Jahren waren.

In diesem kurzen Sommer des Aufbruchs schlossen sich die verschiedensten informellen Kreise kurz und ließen eine Bürgerbewegtheit erahnen, die öffentlich vorher nicht wahrgenommen wurde. Neben dem maroden Bellevue saßen Punks an der Seite von Handtaschenträgerinnen, redeten Langbärtige von hausgemachten Umweltkatastrophen und tobten Kinder herum. 3000 sollen es bis spät in die Nacht gewesen sein. Und alle hatten sie keine Angst mehr vor dem Schreckgespenst Stasi. Wenige Monate später trauten sich auch die verzagtesten Potsdamer auf die Straße und demonstrierten für politische Veränderungen.

Bürgerinitiativen fragen die Oberbürgermeisterkandidaten

  • 13. September 2010

Transparente in der Hans-Thoma-Straße

Potsdamer Neueste Nachrichten vom 13.09.2010

Tausend Fragen, kaum Antworten

Von Ariane Lemme

Bürgerinitiativen haben die Kandidaten zu Verkehr und Klimaschutz befragt, nur vier haben geantwortet.
Wohin mit dem Verkehr in Potsdam? Der Verein Argus e.V. sowie fünf weitere Bürgerinitiativen wollte es kurz vor der Wahl wissen, und gaben einen Katalog von Fragen zur Verkehrsplanung an die Oberbürgermeister-KandidatInnen heraus. Die Ergebnisse der Befragung stellten Vertreter der Initiativen am Samstag vor.

Antworten lagen allerdings von lediglich vier der sieben Kandidaten vor. Neben dem regierenden Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hatten auch Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke) und die Kandidatin der Grünen Marie Luise von Halem sowie Benjamin Bauer von Die Andere Stellung bezogen. Mit konkreten Aussagen hatten sich aber vor allem die beiden Favoriten für die Wahl am kommenden Sonntag, Jakobs und Scharfenberg, zurückgehalten. „Das hat Potsdam nicht verdient“, sagte Elrita Hobohm von der Bürgerinitiative Golm daher zur fehlenden „prinzipiellen Haltung“ von Jakobs und Scharfenberg zur Verkehrspolitik. Es werde je nach Haushaltslage entschieden. Eines der Hauptanliegen der Bürgerinitiativen ist die geplante Havelspange. Diese ist erneut im Entwurf des Flächennutzungsplanes der Stadt enthalten, wird von den Bürgerinitiativen jedoch abgelehnt. Während von Halem und Bauer das Konzept für eine dritte Havelbrücke aus dem Potsdamer Flächennutzungsplan streichen wollen, verwies Jakobs auf bislang fehlende realistische Alternativen. Scharfenberg meinte: „Maßnahmen, die den Bau überflüssig machen stehen im Vordergrund“.

Zentrale Forderung der Bürgerinitiative Hans-Thoma-Straße ist ein neues Verkehrskonzept für die Kurfürsten- und die Behlertstraße. Die Situation in dem Wohngebiet zwischen den beiden Straßen sei unhaltbar, kritisierte der Sprecher der Initiative, Arno Gorgels. Zwischen 2005 und 2009 hatte die Initiative daher in Zusammenarbeit mit dem Landesumweltamt eine Lösung erarbeitet, die sowohl die Behlertstraße als auch die Hans-Thoma- Straße vom Verkehr entlasten soll. Das Konzept war 2009 von Jakobs als alternativlos unterschrieben worden, ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung hatte eine Umsetzung bis 2010 vorgesehen. Kurz darauf trat die Firma Semmelhaack als Investor auf und erarbeitete ein eigenes Konzept für das Areal, seitdem liegt der Plan der Bürgerinitiative auf Eis. „Wir können uns daher des Eindrucks der Willkür nicht erwehren“ sagte Arno Gorgels. Immerhin seien „mehrere hunderttausend Euro an Steuergeldern“ in die Entwicklung des Konzeptes geflossen.

Auch die Fragen der Bürgerinitiative Energieforum drehen sich letztlich um neue, nachhaltigere Verkehrskonzepte. Seit etwa zweieinhalb Jahren engagieren sich die Mitglieder für eine effiziente Energiepolitik. Die Antworten der Kandidaten seien allerdings auch hier eher dürftig ausgefallen, stellte Sprecherin Sophie Haebel fest. Im Rahmen der Befragung ging es ihr vor allem darum, inwieweit die Kandidaten eine Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes in den Aktions- und Investitionsplänen verankern wollen. Während Scharfenberg seine Entscheidung dazu auch von Mietpreisen, Betriebs – und Fahrtkosten abhängig machen will, betonte von Halem die Bedeutung der Stadtwerke. Ihnen kommt bei der geforderten Einsparung des Kohlendioxid-Ausstoßes von 30 Prozent ein entscheidender Anteil zu.

Eine tatsächlich nachhaltige Verkehrspolitik ist auch das Ziel der Bürgerinitiativen Golm: Sie fordert vor allem eine Erweiterung des Radwegnetzes nach Golm und Bornstedt sowie den Ausbau der Eisenbahnbrücke zwischen Golm und Werder für Fahrradfahrer. Jakobs kündigte an, jährlich 800 000 Euro in die Sanierung und den Ausbau von Fahrradwegen zu investieren. Unklar sei laut Elrita Hobohm von der Bürgerinitiative Golm jedoch, wie stark ihr Wohngebiet davon profitieren würde.

An den Bürgermeister

Bürger-Erfolg Radstreifen

  • 28. Juni 2010

Mathias Klipp und Albrecht Söllner geben den Radstreifen frei (Foto: E. Schmidt)


Erste gemeinsame Fahrt (Foto:E. Schmidt)

Potsdamer Neueste Nachrichten vom 28.06.2010

Initiative feierte neues „Antlitz“ der Forststraße

Potsdam-West - Mit Pauken und Trompeten wurden am Samstagnachmittag die neuen Fahrradstreifen in der Forststraße offiziell eingeweiht. Nach einer Ansprache durch Albrecht Söllner von der Bürgerinitiative für Verkehrsberuhigung in Potsdam-West durchschnitt Potsdams Baubeigeordneter Matthias Klipp (Bündnisgrüne) das Absperrband und übergab die Streifen damit feierlich an die Nutzer. Mit einer Kutsche, einer Jazzkapelle und vielen ausgelassenen Radlern zogen die Anwesenden anschließend die Forststraße mit ihrem neuen „Antlitz“ entlang.

Seit Jahren gab es Bestrebungen seitens der Anwohner, die starke verkehrliche Nutzung der Straße einzuschränken. Ende 2009 war die Geschwindigkeitsbegrenzung nach einer Erschütterungsmessung des Landesumweltamtes von 50 auf 30 Stundenkilometer herabgesetzt worden. Nun wurde auch dem zweiten Wunsch der Anlieger entsprochen, indem die schon 2008 im Bürgerhaushalt mit hoher Priorität aufgenommenen Fahrradstreifen endlich realisiert wurden. Erreicht worden sei die Änderung vor allem durch bürgerliches Engagement, so Söllner. Er begrüßte das Umdenken der Verwaltung in Richtung der nachhaltigen Mobilität und der Kooperation aller Verkehrsbeteiligten. Vor sechs Jahren begann die Bürgerinitiative für Verkehrsberuhigung in Potsdam-West ihre Arbeit, als vor allem die Forststraße zunehmend von Lastwagen als Umgehungsstraße genutzt wurde.

Die jetzt neuen beidseitigen Kaltplastikmarkierungen auf der knapp zwei Kilometer langen Straße haben rund 20 000 Euro gekostet. Das Geld scheint wohl investiert. Vorher waren viele Radfahrer auf die sandigen Fußgängerwege ausgewichen, da das Fahren auf der unmarkierten Straße zu gefährlich erschien. So kam es in der Vergangenheit unter anderem zu Unfällen mit aus den Seitenstraßen kommenden Kindern. Durch die Fahrradstreifen, die vor einigen Wochen aufgebracht wurden, habe die Sicherheit stark zugenommen, urteilen die Anwohner. Es sei eine deutliche Verbesserung in Lebensqualität und Verkehrssicherheit, findet Dieter Ahting, der seit 13 Jahren in der Nachbarschaft wohnt. Florian Eyert

Filme für “Kontraste” von der Stasi sabotiert

  • 20. Mai 2010

Michael Heinroth übergibt dem ARGUS-Archiv seine Sammlung

Märkische Allgemeine Zeitung vom 20.05.2010

ARGUS-Archiv will Auskunft über die bewegten Tage der friedlichen Revolution geben

Von Sebastian Scholze

Es sind Papiere, die eine aufregende Zeit lebendig werden lassen: die Wochen vor und nach der friedlichen Revolution in der DDR. Die Dokumente und Fotos sollen gleichzeitig der Beginn eines Bürgerarchivs sein. Gestern wurde das Archiv der Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung (ARGUS) um viele Seiten erweitert. Die ehemalige Leiterin der Potsdamer Außenstelle für Stasi Unterlagen, Gisela Rüdiger, und Michael Heinroth, der als einer der Macher der Ausstellung "Suchet der Stadt Bestes" im Wendeherbst die Aufmerksamkeit auf den fortschreitenden Abriss der Zweiten Barocken Stadterweiterung gelegt hatte, übergaben ihre private Sammlungen dem Archiv zum Einscannen.

Seit dem letzten Sommer sammelt man bei ARGUS. Durch Fördermittel konnten Saskia Hüneke und ihre Mitstreiter einen Computer und ein professionelles Archivprogramm namens Faust beschaffen sowie eine Bearbeiterin einstellen. "Wir stehen erst ganz am Anfang", sagte Hüneke. "Unser Archiv soll auf lange Sicht angelegt sein: Studenten, Forscher und Interessierte sollen hier arbeiten können." Ein Teil der Dokumente soll später im Internet zur Verfügung gestellt werden. Das Einscannen ist dabei zum Teil die letzte Chance auf Rettung. "Bei manchen Dokumenten verschwindet innerhalb von Minuten die Schrift, wenn man sie aus ihren Schutzhüllen nimmt."

Rüdiger, seit September 1989 Mitglied bei Argus, freute sich sehr, dass mit dem Archiv eine gemeinsame Idee von Bürgerrechtler Rudolf Tschäpe und ihr aufgegriffen wird. „Für Argus saß ich damals im Rat der Volkskontrolle, der die Abwicklung der Stasi überwachen wollte", sagte Rüdiger. Ihre vier Aktenordner geben unter anderem Aufschluss über den "Ausverkauf“ in der Potsdamer Stasi-Zentrale. So wollte das Hans-Otto-Theater überzählige Möbel nutzen. Wie sich Vorstandsmitglied Saskia Hüneke noch gut erinnert, landete ein Panzerschrank der Spitzelbehörde sogar bei ARGUS. Die von Rüdiger übergebenen Dokumente zeigen aber auch, dass nach 1989 beinahe aus heutiger Sicht Unverständliches passiert wäre: Alle Täter und Opferakten sollten vernichtet werden, um Blutvergießen und Racheakte zu verhindern. Ein Aufruf unter anderem in der damaligen Märkischen Volksstimme lenkte die Aufmerksamkeit auf das Problem.

Michael Heinroth war 1980 nach Potsdam gekommen. Er begann, den Abriss der historischen Innenstadt zu dokumentieren. „Oft wurden Urkunden über den Bauzustand zur Rechtfertigung gefälscht“, sagte er. „Ich kannte eine alte Frau, die sich umgebracht hat, als man sie rausgeworfen hat." Mit selbst gedrehten Filmen wollte man die Sendung "Kontraste" im Westen auf die Misere im Osten aufmerksam machen. Allein: Die Stasi hatte ihre Mitarbeiter eingeschleust, die die Aufnahmen teilweise unbrauchbar machten. Die Erinnerungstafel, die Heinroth heimlich angebracht hatte, um das einstige Wohnhaus Theodor Storms in der Dortustraße 68 vor den Baggern zu retten, gehört heute wieder ihm. Einen Studenten hatte sie dermaßen beeindruckt, dass er sie aufbewahrte und nach der Zufallsbekanntschaft mit Heinroth diesem übergab.

Die Abriss-Warnungen des “Michael Berger”

  • 20. Mai 2010

Saskia Hüneke, Gisela Rüdiger und Michael Heinroth (Foto: A. Klaer)

Potsdamer Neueste Nachrichten vom 20.05.2010

Der Verein Argus baut ein Archiv für Dokumente der Wende- und Nachwendezeit auf

Von Guido Berg

Die Geschichte war innerhalb weniger Wochen vom jahrzehntelangen Stillstand in den Sprint übergegangen. Wer dachte in diesen Tagen daran, im Herbst 1989, als alles aufbrach, etwas beiseite zulegen für die Historiker? Michael Heinroth hat es getan. Ihn interessierte schon in den 1980er Jahren die Potsdamer Baugeschichte. Wenn wieder eine historische Häuserzeile abgerissen werden sollte, stöberte der Mann durch die leeren Häuser und sammelte, was ihm interessant erschien. Was da so geplant war an Abrissen, machte er in einem Artikel des grünen Netzwerk Arche DDR-weit bekannt - unter dem Pseudonym "Michael Berger" um der Verfolgung zu entgehen.

Es sind Geschichten wie diese, die sich mit den Dokumenten, Fotos, Briefen, Eingaben, Negativen erschließen lassen, die Heinroth gestern dem Verein ARGUS übergab. ARGUS, 1988 als Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung gegründet, hat damit begonnen, ein Archiv aufzubauen, um schriftliche Zeugnisse und Exponate der Wende- und Vereinigungszeit in Potsdam für die Nachwelt zu bewahren. "Sie glauben gar nicht, was man alles vergisst", sagte Saskia Hüneke vom ARGUS-Vorstand. Es sei eine "unglaublich dichte und spannende Zeit" gewesen, so die Bündnisgrüne Stadtverordnete, die den gestrigen Tag als "Geburtsstunde eines Bürger-Archivs" bezeichnete. "Interessante Zeitzeugnisse" sind auch zwei Videos, die Heinroth in das ARGUS-Archiv einbringt. Sie zeigen Interviews, die mit einer in die DDR geschleusten Kamera für die ARD Sendung Kontraste aufgezeichnet wurden. Gedreht wurden weitaus mehr als zwei Interviews, so Heinroth. Doch die übrigen waren von sehr schlechter Qualität. Später habe sich herausgestellt, dass derjenige, der die Kamera bei dieser geheimen Aktion führte, informeller Mitarbeiter der Staatssicherheit war.

Aber nicht an allem war die Stasi schuld: Lange haben sich Heinroth und andere gefragt, wo das Schild abgeblieben ist, das sie an das Haus Dortustraße 68 anbrachten. Kein Geringerer als der Schimmelreiter-Autor Theodor Storm hatte dort zwischen 1854 und 1856 gewohnt. Für die Potsdamer Stadt-"Erneuerer" dieser Zeit war dies freilich kein Grund, das Haus stehen zu lassen. Vergeblich protestierten Potsdamer Bürger auch mit dem Schild gegen den Frevel.

Das verschwundene Schild, das über die Stormsche Vergangenheit des Gebäudes informierte, tauchte Heinroth zufolge auf einem Basar der Fachhochschule wieder auf. Studenten hatten sich gedacht, das Schild sei viel zu schade, als dass es Opfer der Bagger werden sollte.

Auf Heinroths Material hat nicht nur ARGUS ein Auge geworfen, sondern auch das Potsdam-Museum. Die von ihm und Michael Zajons erarbeitete Ausstellung "Suchet der Stadt Bestes", im September und Oktober 1989 in der Nikolaikirche gezeigt, wird Teil der neuen Dauerausstellung des Potsdam Museums.

Finanziert durch die Stiftung Aufarbeitung werden die neu bei ARGUS eingegebenen Dokumente gescannt, berichtet ARGUS-Geschäftsführerin Elvira Schmidt. So entsteht eine digitale Datenbank der Dokumente, in denen Wissenschaftler, Journalisten und Studenten recherchieren können. Saskia Hüneke: „Wir hoffen auf Forschungsprojekte“. Ob sie ihre Dokumente bei ARGUS ins Archiv gibt, hat Gisela Rüdiger noch nicht entschieden. Aber scannen lässt sie sie schon einmal. Gisela Rüdiger ist seit September 1989 bei ARGUS. Nach der Besetzung der Stasi Zentrale in der Hegelallee am 5. Dezember 1989 war sie Mitglied im Rat der Volkskontrolle, der die Auflösung der Stasi überwachte. Viele Dokumente, die sie bei ARGUS einscannen lässt, stammen auch von der Schriftgut-Kommission. Diese entschied, welche Stasi-Akten aufgehoben und welche vernichtet werden können - eine Arbeit, die unter Kritik stand, weil nicht nur Akten vernichtet wurden, die angeblich "doppelt und dreifach" vorhanden waren. Später leitete Gisela Rüdiger die Potsdamer Außenstelle der Stasiakten-Behörde. Mögliche Forschungsfelder für Historiker deutete Gisela Rüdiger bereits an: Wie kam es zur Übernahme ehemaliger Stasi-Mitarbeiter in andere öffentliche Bereiche, etwa bei der Brandenburger Polizei?

Nur Mauer, Stacheldraht und Stasi?

  • 20. Oktober 2009

Potsdamer Neueste Nachrichten vom 20.10.09

Zwanzig Jahre nach dem Fall der „Berliner Mauer“ hätte man sich eigentlich schon dieses Anlasses wegen intelligentere Botschaften von den Klugen und Mächtigen erhofft als das, was in diesen Tagen im festlichen Unisono mitgeteilt wird: Schon interessant, wenn von einem weltweit anerkannten Ländlein oft nur die Kürzel „Mauer, Stacheldraht und Stasi“ übrigbleiben. Wie es die Alten „sungen“, so ist dann zu befürchten, zwitschern es auch die Jungen: Mauer, Stasi, Stacheldraht!

Wie sieht es aber nun genau jene Gruppe der Zwanzigjährigen, die mit voller Berechtigung als erste „nachgeboren“ genannt werden kann, und was ist vom „Geist des Aufbruchs“ angesichts der heutigen Lage geblieben? Studenten der Fachhochschule Potsdam machten sich jetzt selbst auf die Suche nach der Vergangenheit unter dem Motto „Potsdamer Bürgerbewegungen 89“. Die Studienbereiche Kulturarbeit, Archiv und Design sammelten besonders beim Co-Partner Argus, der damals gegründeten Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung Informationen, sichteten Dokumente und Materialien, interviewten die Aktivisten von einst, um sich ein eigenes Bild der damaligen Ereignisse zu machen. Was dabei herauskam, ist nun im „Schaufenster“ der Fachhochschule gegenüber dem Marstall auf etlichen Quadratmetern unter dem historischen Titel „Macht besser“ (das A als Hammer und Zirkel aus dem Staatswappen der DDR) zu sehen: Persönliche Erinnerungsstücke, aus Archiven gegrabenes Material, Behörden-Schriftwechsel, „Rückblenden“, die in Bild und Texten bis zur Zweiten barocken Stadterweiterung im 18. Jahrhundert reichen, vieles fein auf „Sauerkraut-Platten“ montiert, dazu Ton- und Interview-Dokumente, per Telefonhörer abzuhören.

Eine tolle Sammlung von historischem Stoff, natürlich „Potsdam-bezogen“: Die Neugestaltung der damaligen Klement-Gottwald-Straße (heute Brandenburger) 1975 kommt dabei genauso zur Sprache wie der erzwungene Abriss- und Neubaustop Ende November 87 in der Innenstadt. Gefälschte Kommunalwahlen samt jener Eingabe zweier Kämpfer. Neues Forum, Filme und Fotos von den Demos „im Zeichen der Hoffnung“, aber auch brennende Mülltonnen sowie Stasi-Protokolle vom 1. Pfingstberg-Fest im Juni 90. Aber das bürgerbewegte Jahr 1989 war nicht das Jahr 1990, die Engagierten von einst wurden zu Etablierten, die Vollendung der Einheit war nur noch ein Verwaltungsakt.

Angesichts ihres Materials hätte man dem guten Dutzend Studenten eigene Fragstellungen mit Blick auf heute gewünscht, mehr Mut und Unabhängigkeit, Berater ohne Portefeuilles, Geldgeber und Oberste mit Lerneffekt und weniger Ideologie, aber das ist wohl schon wieder Utopie. Die gut besuchte Vernissage am Freitagabend zeigte etwas anderes: Lobreden der Etablierten für den „Aufbruch“ von damals, Langweiliges aus dem Archivwesen, Salbungsvolles wider Mauer und Stasi aus ministeriellem Munde, nicht mehr. Irgendwer Höheres mokierte sich an diesem revolutionären Abend, weil eine längst glattgeputzte Toncollage den Liedermacher und IM Gerhard Gundermann hören ließ. „Halte durch“, war der historische Titel. Das geht so natürlich nicht! Die heutigen Chefs in der ersten Reihe redeten zuerst. Studenten dankten für die Unterstützung ihres Projektes – zuletzt. Befragt, warum sie sich das gefallen ließen, antwortete jemand: Es sind doch unsere Geldgeber! Gerold Paul

Oppositionsbewegung in der DDR-Wendezeit

  • 17. Oktober 2009

Märkische Allgemeine Zeitung vom 17.10.2009

Bei Schmalzbrot und schlechtem Wein - Eine Ausstellung von Studenten erinnert an die Potsdamer Oppositionsbewegung in der DDR-Wendezeit

Bilder, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen: Die Ausstellung „MACHT BESSER!“ in der Fachhochschule ist ein bewegendes Zeugnis der friedlichen Revolution von 1989 in Potsdam.

Von Steven Hanke

INNENSTADT Als im Herbst 1989 viele Potsdamer gegen Wahlfälschung und den Abriss von Plattenbauten auf die Straße gingen, waren sie noch kleine Kinder. Durch Zeitzeugenberichte, private Fotos und Dokumente, Zeitungsausschnitte, Tonbandaufnahmen und historisches Filmmaterial haben sich zwölf Studenten der Fachhochschule (FH) Potsdam aus den Bereichen Design, Archiv und Kulturarbeit ein eigenes Bild von den Ereignissen der friedlichen Revolution geMACHT.

Seit gestern sind die Impressionen in der Ausstellung „MACHT BESSER! – die Bürgerbewegung ’89 aus dem Blickwinkel junger Menschen“ im Schaufenster der FH an der Friedrich-Ebert-Straße zu sehen. Initiiert wurde sie von der Hochschule und der Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung (ARGUS), die vor 20 Jahren eine Plattform für die Oppositionellen war.

„Das ist eine wichtige Ausstellung“, lobte die noch amtierende Kulturministerin Johanna Wanka (CDU). Es werde gezeigt, wie wichtig es ist, ein inneres Wertesystem zu besitzen und sich nicht zu verbiegen. „Wenn man das vermitteln kann, war die Ausstellung ein großer Erfolg“, so Wanka. Der Rektor der FH, Johannes Vielhaber, nannte die Dokumentation ein „wunderbare Idee“. Die Professorin Susanne Freund meinte, dass man sich von den Bildern etwas abgucken kann. „Dieser Protest, die nächtelangen Diskussionen fehlen heute“, sagte sie, zum Beispiel, wenn es um die Stadterneuerung geht. Vielhaber kann sich vorstellen, dass die Ausstellung der Auftakt ist zu einer Reihe, die an die Ereignisse bis zur Wende erinnert, und hofft auf privates Material. Um mit den Akteuren von einst ins Gespräch zu kommen, will er die nächtlichen „Küchensitzungen“ der Oppositionellen von damals wieder aufleben lassen. Zum Ausklang von „MACHT BESSER!“ am 6. November ist ein Abendessen zum Gedankenaustausch im Schaufenster geplant. Bei Schmalzbroten, Suppe und „schlechtem Wein“ sollen auch Utopien für die Gegenwart entworfen werden.

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