Potsdamer Neueste Nachrichten vom 28.06.2010
Initiative feierte neues „Antlitz“ der Forststraße
Potsdam-West - Mit Pauken und Trompeten wurden am Samstagnachmittag die neuen Fahrradstreifen in der Forststraße offiziell eingeweiht. Nach einer Ansprache durch Albrecht Söllner von der Bürgerinitiative für Verkehrsberuhigung in Potsdam-West durchschnitt Potsdams Baubeigeordneter Matthias Klipp (Bündnisgrüne) das Absperrband und übergab die Streifen damit feierlich an die Nutzer. Mit einer Kutsche, einer Jazzkapelle und vielen ausgelassenen Radlern zogen die Anwesenden anschließend die Forststraße mit ihrem neuen „Antlitz“ entlang.
Seit Jahren gab es Bestrebungen seitens der Anwohner, die starke verkehrliche Nutzung der Straße einzuschränken. Ende 2009 war die Geschwindigkeitsbegrenzung nach einer Erschütterungsmessung des Landesumweltamtes von 50 auf 30 Stundenkilometer herabgesetzt worden. Nun wurde auch dem zweiten Wunsch der Anlieger entsprochen, indem die schon 2008 im Bürgerhaushalt mit hoher Priorität aufgenommenen Fahrradstreifen endlich realisiert wurden. Erreicht worden sei die Änderung vor allem durch bürgerliches Engagement, so Söllner. Er begrüßte das Umdenken der Verwaltung in Richtung der nachhaltigen Mobilität und der Kooperation aller Verkehrsbeteiligten. Vor sechs Jahren begann die Bürgerinitiative für Verkehrsberuhigung in Potsdam-West ihre Arbeit, als vor allem die Forststraße zunehmend von Lastwagen als Umgehungsstraße genutzt wurde.
Die jetzt neuen beidseitigen Kaltplastikmarkierungen auf der knapp zwei Kilometer langen Straße haben rund 20 000 Euro gekostet. Das Geld scheint wohl investiert. Vorher waren viele Radfahrer auf die sandigen Fußgängerwege ausgewichen, da das Fahren auf der unmarkierten Straße zu gefährlich erschien. So kam es in der Vergangenheit unter anderem zu Unfällen mit aus den Seitenstraßen kommenden Kindern. Durch die Fahrradstreifen, die vor einigen Wochen aufgebracht wurden, habe die Sicherheit stark zugenommen, urteilen die Anwohner. Es sei eine deutliche Verbesserung in Lebensqualität und Verkehrssicherheit, findet Dieter Ahting, der seit 13 Jahren in der Nachbarschaft wohnt. Florian Eyert
Märkische Allgemeine Zeitung vom 20.05.2010
ARGUS-Archiv will Auskunft über die bewegten Tage der friedlichen Revolution geben
Von Sebastian Scholze
Es sind Papiere, die eine aufregende Zeit lebendig werden lassen: die Wochen vor und nach der friedlichen Revolution in der DDR. Die Dokumente und Fotos sollen gleichzeitig der Beginn eines Bürgerarchivs sein. Gestern wurde das Archiv der Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung (ARGUS) um viele Seiten erweitert. Die ehemalige Leiterin der Potsdamer Außenstelle für Stasi Unterlagen, Gisela Rüdiger, und Michael Heinroth, der als einer der Macher der Ausstellung "Suchet der Stadt Bestes" im Wendeherbst die Aufmerksamkeit auf den fortschreitenden Abriss der Zweiten Barocken Stadterweiterung gelegt hatte, übergaben ihre private Sammlungen dem Archiv zum Einscannen.
Seit dem letzten Sommer sammelt man bei ARGUS. Durch Fördermittel konnten Saskia Hüneke und ihre Mitstreiter einen Computer und ein professionelles Archivprogramm namens Faust beschaffen sowie eine Bearbeiterin einstellen. "Wir stehen erst ganz am Anfang", sagte Hüneke. "Unser Archiv soll auf lange Sicht angelegt sein: Studenten, Forscher und Interessierte sollen hier arbeiten können." Ein Teil der Dokumente soll später im Internet zur Verfügung gestellt werden. Das Einscannen ist dabei zum Teil die letzte Chance auf Rettung. "Bei manchen Dokumenten verschwindet innerhalb von Minuten die Schrift, wenn man sie aus ihren Schutzhüllen nimmt."
Rüdiger, seit September 1989 Mitglied bei Argus, freute sich sehr, dass mit dem Archiv eine gemeinsame Idee von Bürgerrechtler Rudolf Tschäpe und ihr aufgegriffen wird. „Für Argus saß ich damals im Rat der Volkskontrolle, der die Abwicklung der Stasi überwachen wollte", sagte Rüdiger. Ihre vier Aktenordner geben unter anderem Aufschluss über den "Ausverkauf“ in der Potsdamer Stasi-Zentrale. So wollte das Hans-Otto-Theater überzählige Möbel nutzen. Wie sich Vorstandsmitglied Saskia Hüneke noch gut erinnert, landete ein Panzerschrank der Spitzelbehörde sogar bei ARGUS. Die von Rüdiger übergebenen Dokumente zeigen aber auch, dass nach 1989 beinahe aus heutiger Sicht Unverständliches passiert wäre: Alle Täter und Opferakten sollten vernichtet werden, um Blutvergießen und Racheakte zu verhindern. Ein Aufruf unter anderem in der damaligen Märkischen Volksstimme lenkte die Aufmerksamkeit auf das Problem.
Michael Heinroth war 1980 nach Potsdam gekommen. Er begann, den Abriss der historischen Innenstadt zu dokumentieren. „Oft wurden Urkunden über den Bauzustand zur Rechtfertigung gefälscht“, sagte er. „Ich kannte eine alte Frau, die sich umgebracht hat, als man sie rausgeworfen hat." Mit selbst gedrehten Filmen wollte man die Sendung "Kontraste" im Westen auf die Misere im Osten aufmerksam machen. Allein: Die Stasi hatte ihre Mitarbeiter eingeschleust, die die Aufnahmen teilweise unbrauchbar machten. Die Erinnerungstafel, die Heinroth heimlich angebracht hatte, um das einstige Wohnhaus Theodor Storms in der Dortustraße 68 vor den Baggern zu retten, gehört heute wieder ihm. Einen Studenten hatte sie dermaßen beeindruckt, dass er sie aufbewahrte und nach der Zufallsbekanntschaft mit Heinroth diesem übergab.
Potsdamer Neueste Nachrichten vom 20.05.2010
Der Verein Argus baut ein Archiv für Dokumente der Wende- und Nachwendezeit auf
Von Guido Berg
Die Geschichte war innerhalb weniger Wochen vom jahrzehntelangen Stillstand in den Sprint übergegangen. Wer dachte in diesen Tagen daran, im Herbst 1989, als alles aufbrach, etwas beiseite zulegen für die Historiker? Michael Heinroth hat es getan. Ihn interessierte schon in den 1980er Jahren die Potsdamer Baugeschichte. Wenn wieder eine historische Häuserzeile abgerissen werden sollte, stöberte der Mann durch die leeren Häuser und sammelte, was ihm interessant erschien. Was da so geplant war an Abrissen, machte er in einem Artikel des grünen Netzwerk Arche DDR-weit bekannt - unter dem Pseudonym "Michael Berger" um der Verfolgung zu entgehen.
Es sind Geschichten wie diese, die sich mit den Dokumenten, Fotos, Briefen, Eingaben, Negativen erschließen lassen, die Heinroth gestern dem Verein ARGUS übergab. ARGUS, 1988 als Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung gegründet, hat damit begonnen, ein Archiv aufzubauen, um schriftliche Zeugnisse und Exponate der Wende- und Vereinigungszeit in Potsdam für die Nachwelt zu bewahren. "Sie glauben gar nicht, was man alles vergisst", sagte Saskia Hüneke vom ARGUS-Vorstand. Es sei eine "unglaublich dichte und spannende Zeit" gewesen, so die Bündnisgrüne Stadtverordnete, die den gestrigen Tag als "Geburtsstunde eines Bürger-Archivs" bezeichnete. "Interessante Zeitzeugnisse" sind auch zwei Videos, die Heinroth in das ARGUS-Archiv einbringt. Sie zeigen Interviews, die mit einer in die DDR geschleusten Kamera für die ARD Sendung Kontraste aufgezeichnet wurden. Gedreht wurden weitaus mehr als zwei Interviews, so Heinroth. Doch die übrigen waren von sehr schlechter Qualität. Später habe sich herausgestellt, dass derjenige, der die Kamera bei dieser geheimen Aktion führte, informeller Mitarbeiter der Staatssicherheit war.
Aber nicht an allem war die Stasi schuld: Lange haben sich Heinroth und andere gefragt, wo das Schild abgeblieben ist, das sie an das Haus Dortustraße 68 anbrachten. Kein Geringerer als der Schimmelreiter-Autor Theodor Storm hatte dort zwischen 1854 und 1856 gewohnt. Für die Potsdamer Stadt-"Erneuerer" dieser Zeit war dies freilich kein Grund, das Haus stehen zu lassen. Vergeblich protestierten Potsdamer Bürger auch mit dem Schild gegen den Frevel.
Das verschwundene Schild, das über die Stormsche Vergangenheit des Gebäudes informierte, tauchte Heinroth zufolge auf einem Basar der Fachhochschule wieder auf. Studenten hatten sich gedacht, das Schild sei viel zu schade, als dass es Opfer der Bagger werden sollte.
Auf Heinroths Material hat nicht nur ARGUS ein Auge geworfen, sondern auch das Potsdam-Museum. Die von ihm und Michael Zajons erarbeitete Ausstellung "Suchet der Stadt Bestes", im September und Oktober 1989 in der Nikolaikirche gezeigt, wird Teil der neuen Dauerausstellung des Potsdam Museums.
Finanziert durch die Stiftung Aufarbeitung werden die neu bei ARGUS eingegebenen Dokumente gescannt, berichtet ARGUS-Geschäftsführerin Elvira Schmidt. So entsteht eine digitale Datenbank der Dokumente, in denen Wissenschaftler, Journalisten und Studenten recherchieren können. Saskia Hüneke: „Wir hoffen auf Forschungsprojekte“. Ob sie ihre Dokumente bei ARGUS ins Archiv gibt, hat Gisela Rüdiger noch nicht entschieden. Aber scannen lässt sie sie schon einmal. Gisela Rüdiger ist seit September 1989 bei ARGUS. Nach der Besetzung der Stasi Zentrale in der Hegelallee am 5. Dezember 1989 war sie Mitglied im Rat der Volkskontrolle, der die Auflösung der Stasi überwachte. Viele Dokumente, die sie bei ARGUS einscannen lässt, stammen auch von der Schriftgut-Kommission. Diese entschied, welche Stasi-Akten aufgehoben und welche vernichtet werden können - eine Arbeit, die unter Kritik stand, weil nicht nur Akten vernichtet wurden, die angeblich "doppelt und dreifach" vorhanden waren. Später leitete Gisela Rüdiger die Potsdamer Außenstelle der Stasiakten-Behörde. Mögliche Forschungsfelder für Historiker deutete Gisela Rüdiger bereits an: Wie kam es zur Übernahme ehemaliger Stasi-Mitarbeiter in andere öffentliche Bereiche, etwa bei der Brandenburger Polizei?
Potsdamer Neueste Nachrichten vom 20.10.09
Zwanzig Jahre nach dem Fall der „Berliner Mauer“ hätte man sich eigentlich schon dieses Anlasses wegen intelligentere Botschaften von den Klugen und Mächtigen erhofft als das, was in diesen Tagen im festlichen Unisono mitgeteilt wird: Schon interessant, wenn von einem weltweit anerkannten Ländlein oft nur die Kürzel „Mauer, Stacheldraht und Stasi“ übrigbleiben. Wie es die Alten „sungen“, so ist dann zu befürchten, zwitschern es auch die Jungen: Mauer, Stasi, Stacheldraht!
Wie sieht es aber nun genau jene Gruppe der Zwanzigjährigen, die mit voller Berechtigung als erste „nachgeboren“ genannt werden kann, und was ist vom „Geist des Aufbruchs“ angesichts der heutigen Lage geblieben? Studenten der Fachhochschule Potsdam machten sich jetzt selbst auf die Suche nach der Vergangenheit unter dem Motto „Potsdamer Bürgerbewegungen 89“. Die Studienbereiche Kulturarbeit, Archiv und Design sammelten besonders beim Co-Partner Argus, der damals gegründeten Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung Informationen, sichteten Dokumente und Materialien, interviewten die Aktivisten von einst, um sich ein eigenes Bild der damaligen Ereignisse zu machen. Was dabei herauskam, ist nun im „Schaufenster“ der Fachhochschule gegenüber dem Marstall auf etlichen Quadratmetern unter dem historischen Titel „Macht besser“ (das A als Hammer und Zirkel aus dem Staatswappen der DDR) zu sehen: Persönliche Erinnerungsstücke, aus Archiven gegrabenes Material, Behörden-Schriftwechsel, „Rückblenden“, die in Bild und Texten bis zur Zweiten barocken Stadterweiterung im 18. Jahrhundert reichen, vieles fein auf „Sauerkraut-Platten“ montiert, dazu Ton- und Interview-Dokumente, per Telefonhörer abzuhören.
Eine tolle Sammlung von historischem Stoff, natürlich „Potsdam-bezogen“: Die Neugestaltung der damaligen Klement-Gottwald-Straße (heute Brandenburger) 1975 kommt dabei genauso zur Sprache wie der erzwungene Abriss- und Neubaustop Ende November 87 in der Innenstadt. Gefälschte Kommunalwahlen samt jener Eingabe zweier Kämpfer. Neues Forum, Filme und Fotos von den Demos „im Zeichen der Hoffnung“, aber auch brennende Mülltonnen sowie Stasi-Protokolle vom 1. Pfingstberg-Fest im Juni 90. Aber das bürgerbewegte Jahr 1989 war nicht das Jahr 1990, die Engagierten von einst wurden zu Etablierten, die Vollendung der Einheit war nur noch ein Verwaltungsakt.
Angesichts ihres Materials hätte man dem guten Dutzend Studenten eigene Fragstellungen mit Blick auf heute gewünscht, mehr Mut und Unabhängigkeit, Berater ohne Portefeuilles, Geldgeber und Oberste mit Lerneffekt und weniger Ideologie, aber das ist wohl schon wieder Utopie. Die gut besuchte Vernissage am Freitagabend zeigte etwas anderes: Lobreden der Etablierten für den „Aufbruch“ von damals, Langweiliges aus dem Archivwesen, Salbungsvolles wider Mauer und Stasi aus ministeriellem Munde, nicht mehr. Irgendwer Höheres mokierte sich an diesem revolutionären Abend, weil eine längst glattgeputzte Toncollage den Liedermacher und IM Gerhard Gundermann hören ließ. „Halte durch“, war der historische Titel. Das geht so natürlich nicht! Die heutigen Chefs in der ersten Reihe redeten zuerst. Studenten dankten für die Unterstützung ihres Projektes – zuletzt. Befragt, warum sie sich das gefallen ließen, antwortete jemand: Es sind doch unsere Geldgeber! Gerold Paul
Märkische Allgemeine Zeitung vom 17.10.2009
Bei Schmalzbrot und schlechtem Wein - Eine Ausstellung von Studenten erinnert an die Potsdamer Oppositionsbewegung in der DDR-Wendezeit
Bilder, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen: Die Ausstellung „MACHT BESSER!“ in der Fachhochschule ist ein bewegendes Zeugnis der friedlichen Revolution von 1989 in Potsdam.
Von Steven Hanke
INNENSTADT Als im Herbst 1989 viele Potsdamer gegen Wahlfälschung und den Abriss von Plattenbauten auf die Straße gingen, waren sie noch kleine Kinder. Durch Zeitzeugenberichte, private Fotos und Dokumente, Zeitungsausschnitte, Tonbandaufnahmen und historisches Filmmaterial haben sich zwölf Studenten der Fachhochschule (FH) Potsdam aus den Bereichen Design, Archiv und Kulturarbeit ein eigenes Bild von den Ereignissen der friedlichen Revolution geMACHT.
Seit gestern sind die Impressionen in der Ausstellung „MACHT BESSER! – die Bürgerbewegung ’89 aus dem Blickwinkel junger Menschen“ im Schaufenster der FH an der Friedrich-Ebert-Straße zu sehen. Initiiert wurde sie von der Hochschule und der Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung (ARGUS), die vor 20 Jahren eine Plattform für die Oppositionellen war.
„Das ist eine wichtige Ausstellung“, lobte die noch amtierende Kulturministerin Johanna Wanka (CDU). Es werde gezeigt, wie wichtig es ist, ein inneres Wertesystem zu besitzen und sich nicht zu verbiegen. „Wenn man das vermitteln kann, war die Ausstellung ein großer Erfolg“, so Wanka. Der Rektor der FH, Johannes Vielhaber, nannte die Dokumentation ein „wunderbare Idee“. Die Professorin Susanne Freund meinte, dass man sich von den Bildern etwas abgucken kann. „Dieser Protest, die nächtelangen Diskussionen fehlen heute“, sagte sie, zum Beispiel, wenn es um die Stadterneuerung geht. Vielhaber kann sich vorstellen, dass die Ausstellung der Auftakt ist zu einer Reihe, die an die Ereignisse bis zur Wende erinnert, und hofft auf privates Material. Um mit den Akteuren von einst ins Gespräch zu kommen, will er die nächtlichen „Küchensitzungen“ der Oppositionellen von damals wieder aufleben lassen. Zum Ausklang von „MACHT BESSER!“ am 6. November ist ein Abendessen zum Gedankenaustausch im Schaufenster geplant. Bei Schmalzbroten, Suppe und „schlechtem Wein“ sollen auch Utopien für die Gegenwart entworfen werden.
Potsdamer Neuste Nachrichten vom 11. Juli 2009
Warum brennende Mülltonnen in der DDR ein alltägliches Bild waren und wie die Potsdamer Umweltbewegung zu einer Keimzelle der "Friedlichen Revolution" wurde, damit beschäftigten sich die Schüler der Waldorfschule Potsdam in ihrer Arbeit zur Umweltbewegung in der DDR. Gestern wurden sie für das Projekt in Berlin ausgezeichnet. Gemeinsam mit dem Evangelischen Gymnasium Hermannswerder gehörten die Waldorfschüler zu den Gewinnern des Geschichtswettbewerbs "Jugendgeschichtsforum", wie das Bundesverkehrsministerium mitteilte. Im 20. Jahr nach dem Mauerfall sollten sich die Wettbewerbsteilnehmer mit einem Thema aus der DDR-Geschichte, der Wende oder der Nachwendezeit beschäftigen. Minister Wolfgang Tiefensee zeichnete die Sieger gestern in Berlin aus.
Insgesamt 13 Waldorfschüler aus den Klassen 10 und 11 hatten für ihr Projekt Interviews mit ehemaligen und heutigen Mitgliedern der Argus (Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung) und mit Umwelt-Fachleuten, darunter auch der heutige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und die Potsdamer Grünen-Stadtverordnete Saskia Hüneke, geführt, teilte Geschichtslehrerin Sibylla Hesse mit. Kooperationspartner waren die Geschichtswerkstatt Lindenstraße 54/55 sowie die nunmehr geschlossene Potsdamer Außenstelle der Stasiunterlagenbehörde. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Schüler auf der Internetseite http://umwelt-ddr.argus-potsdam.de.
Die Waldorfschule wird sich ab Herbst erstmals auch am "Stolperstein"-Projekt beteiligen, sagte Sibylla Hesse den PNN. Wie berichtet sind die Vorbereitungen für den dritten Verlegungstermin der pflastersteingroßen Gedenktafeln für ermordete jüdische Mitbürger bereits angelaufen. "Stolperstein"-Initiator Gunter Demnig will demnach im Mai/Juni 2010 sechs Steine in Babelsberg verlegen. Waldorfschüler aus den Klassen 10 bis 12 werden vorher die Lebensgeschichten der Geehrten recherchieren. Die Voltaireschule unterstützt das Projekt erneut. Das Babelsberger Kino "Thalia" wird erstmals dabei sein: "Wir finanzieren einen Stein", sagte Sprecherin Daniela Zuklic den PNN. Außerdem sei ein projektbegleitender Film "von Schülern über Schüler" angedacht, so Zuklic. Dafür biete sich eine Zusammenarbeit mit der Hochschule für Film und Fernsehen an. In Potsdam gibt es bereits 13 "Stolpersteine", bundesweit laut Gunter Demnig mehr als 17 000. JaHa
Märkische Allgemeine vom 19. Mai 2009
Die Pflasterfreunde von Argus Potsdam e.V. bemühen sich weiterhin um Abstimmungen mit den verschiedenen Gremien der Behinderten. Wie schon im Konzept zum Umgang mit den Natursteinpflasterstraßen von 2008 vorgesehen, sollen überall Bordsteinabsenkungen vorgenommen sowie die Eigenschaften von Straßenquerungen, Parkplatzflächen sowie Ausfahrten verbessert werden. Argus unterstützt die Bemühungen, dies in der Innenstadt und der Brandenburger Vorstadt prioritär in Angriff zu nehmen. Lediglich zur technischen Ausführung und zur Materialwahl gibt es noch Abstimmungsbedarf. Hier haben die Pflasterfreunde aufgrund der Erfahrungen aus dem Pflasterworkshop die Auffassung erarbeitet, dass besonders ausgewählte, vorhandene Steine mit möglichst geringer Wölbung in einer fachgerecht ausgeführten, ungebundenen Pflasterbauweise mit einer maximalen Steinfuge von vier Millimetern am besten den Effekt der schnellen Verbesserung an möglichst vielen Stellen ermöglicht.
Zugleich kann den Belangen der Denkmalbereiche Rechnung getragen werden, in denen das überlieferte Material möglichst am Ort erhalten bleiben soll. Wo das Material nicht ganz den Nutzungsvorstellungen entspricht, kann Stabilisierer nach der Umpflasterung als nachträgliche Verfugung partiell eingebracht werden, um die Oberfläche zu glätten. Werden die ohnehin bautechnisch umstrittene, teurere gebundene Bauweise und auch der Zukauf von Material vermieden, können mehr Querungen pro Jahr hergestellt werden. Geschnittener Granit ist nach unserer Auffassung für Denkmalbereiche nicht, aber sehr wohl für viele andere Bereiche in der Stadt geeignet. Auf dem Pflasterworkshop im April haben wir vorgeschlagen, dass eine Pflasterergruppe permanent im Auftrag der Stadt Reparaturen sowie Umpflasterungen zur Mobilitätsverbesserung vornehmen soll.
Saskia Hüneke, Argus Potsdam e.V.
Märkische Allgemeine Zeitung vom 27.04.2009
INNENSTADT Bei einem vom Bereich Grün- und Verkehrsflächen der Stadt veranstalteten öffentlichen Pflasterworkshop entspann sich am Sonnabend eine lebhafte Diskussion um die technische Ausführung. Das berichtete Saskia Hüneke, die als Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung (Argus) teilnahm. "Wir haben immer die gebundenen Pflasterstraßen als tote Fläche kritisiert", sagte Hüneke. "Das historische Pflastermaterial ist verloren, weil es nicht wieder verwendet werden kann." Die beiden eingeladenen Gutachter bevorzugten laut Hüneke ebenfalls ungebunden gelegtes Pflaster: Es habe bei richtiger Ausführung eine höhere Lebensdauer. Bei einem idealen Abstand von vier Millimetern seien auch sehr hohe Belastungen möglich.
Hüneke fordert deswegen von der Stadt, ein Finanzierungskonzept für gepflasterte Straßen aufzustellen. "Natürlich ist Pflaster teurer als Asphalt, keine Frage" räumte sie ein. Aber: "Berücksichtigt man die Nachhaltigkeit, ergibt sich eine ganze Reihe von Möglichkeiten." Weiter setzte sich die Argus-Vertreterin dafür ein, dass eine permanent bereitstehende Pflastertruppe zur Ausbesserung von Schadstellen ins Leben gerufen wird, die als Teil der Verwaltung oder beauftragte Firma arbeiten könnte. scho
Märkische Allgemeine Zeitung vom 31.03.2009
Von Rainer Schüler
Einer rechtlich bindenden Vereinbarung über die Ausweisung so genannter Pufferzonen um Potsdams Welterbestandorte steht die Bürgergruppe Argus sehr positiv gegenüber. Obwohl man die Inhalte des vom Unesco-Welterbekomitee, dem Landeskulturministerium, der Schlösserstiftung und der Stadtverwaltung erarbeitete Papier noch nicht kennt, erklärten Argus-Vorstandsmitglied Saskia Hüneke und Olaf Riecke, Vorstandsmitglied des Wildpark e.V., gestern, die Verwaltungsvereinbarung könne nur gut für Potsdam sein. Die Stadt verpflichte sich damit selbst zur Einhaltung baulicher und gestalterischer Richtlinien, die den Umgebungsschutz des Welterbes sichern. Außerdem würden Investoren und Bauherren Gewissheit bekommen, was sie dürfen und was nicht.
Einschränkungen für die Entwicklung der Stadt befürchtet Argus nicht. Im Gegenteil: Mit Verweis auf die eigene Welterbetagung im Herbst 2008 bekräftigte Hüneke die damals schon gemachte Aussage, wonach das Welterbe in Potsdam selbst bei Händlern nicht als Hindernis gesehen wird, sondern als Chance und Möglichkeit, sich von den Shopping-Centern Berlins und auch Potsdams abzuheben.
Die Verwaltungsvereinbarung "Pufferzone der Welterbestätte Schlösser und Gärten von Potsdam und Berlin" wird von Potsdamer Seite derzeit noch nicht unterschrieben, weil man befürchtet, dass brandenburgisches Baurecht dem im Wege steht.
Fast 5300 Hektar groß soll die Schutzzone im zentralen Stadtgebiet werden; hier hätten die Welterbeschützer - auf Grundlage und im Rahmen der bereits jetzt bestehenden Gesetze und Verordnungen zu Bauen und Denkmalschutz - künftig ein Mitspracherecht in Bau- und Sanierungsdingen. Eine engere Pufferzone umfasst knapp 1000 Hektar im direkten Umfeld der Welterbestätten.
Argus gründet AG Natursteinpflaster / Dialog mit der Verwaltung
Märkische Allgemeine Zeitung vom 06.02.2009
Über "wachsendes Anwohnerinteresse" freute sich Saskia Hüneke am Mittwochabend im Großen Waisenhaus "riesig": 13 Potsdamer waren gekommen, um auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung (Argus) eine Arbeitsgruppe "Natursteinpflaster" zu gründen. Das Thema hat zuletzt wegen der Straßensanierung in Babelsberg neue Brisanz bekommen.
So waren dann auch vor allem Anwohner der Siemens-, Watt- und Jahnstraße gekommen, allerdings auch zwei Rollstuhlfahrer, die schlechtem Pflaster naturgemäß eher skeptisch gegenüberstehen. Außerdem saßen zwei leitende Mitarbeiter der Bauverwaltung am Tisch: Frank Steffens vom Fachbereich Grün- und Verkehrsflächen und Norbert Praetzel vom Bereich Verkehrsanlagen. Zwischen Saskia Hüneke und Norbert Praetzel vollzog sich im Dialog im Wesentlichen dieser Gründungsabend.
Schnell war man sich einig, dass gutes Pflaster etwas Schönes sei. Hüneke nannte die Pflasterstraßen gar einen Teil der Potsdamer Kulturlandschaft. Sie stellte bei den Pflasterfreunden allerdings noch "enormen Fortbildungsbedarf" fest. Die Pflaster-Euphoriker blieben weitgehend unter sich, und eine fotografische Bestandsaufnahme wurde mit den Worten "toll", "wunderschön" und "lebendig" kommentiert, wohingegen Asphaltstraßen als "furchtbar", "zerstört" und "tot" gebrandmarkt wurden. Sogar ein Pflaster-Kataster, in dem sämtliche Potsdamer Pflasterstraßen nebst Belag, Nutzungsintensität, Befahrbarkeitsstufe und Wiederherstellungsempfehlung verzeichnet sind, hatten die Pflasterfreunde schon vorbereitet. Die beiden Verwaltungsmitarbeiter wiesen sich durch einen nüchterneren Zugang zum Thema aus. "Wir sind nicht gegen Pflaster, aber manchmal gegen das gewünschte Pflaster", stellte Praetzel klar, und Steffens ergänzte, wenn man sich für Pflaster entscheide, müsse man auch den fachlichen Rat der Experten akzeptieren. Praetzel wies auch darauf hin, dass es kaum noch gute Pflasterer gebe, weil das traditionelle Handwerk nahezu ausgestorben sei.
"Wir waren nicht in der Lage, Nägel mit Köpfen zu machen", merkte Saskia Hüneke nach rund zwei Stunden zum Abschluss an. Künftig müsse man "systematischer überlegen". Dazu will sich die AG bis zum großen Pflaster-Workshop Ende April alle zwei Wochen treffen. (Von Jan Bosschaart)
Aus Praetzels Sprüchekiste:
Norbert Praetzel, Bereichsleiter für Verkehrsanlagen, fiel erneut durch pointierte Redebeiträge auf:
Zur Behauptung, asphaltierte Straßen wären tot: "Eine Straße soll nicht leben, sie soll nutzbar sein."
Zum Vorwurf, er kenne sich nicht genug aus: "Glauben Sie mir, ich habe mich mit dem Thema Pflaster mehr beschäftigt, als ich je wollte."
Zur Klage, in der Stadt fehle es an einheitlicher Gestaltung: "Bis zur Wende gab es eine Sorte Papierkorb in der Stadt, heute gibt es 39 Arten."
Zum Problem, geeignete Pflasterer zu finden: "Firmen, die noch richtig pflastern können, wären längst pleite."