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STADTGESTALTUNG: Ein Teil der Kulturlandschaft

  • 6. Februar 2009

Argus gründet AG Natursteinpflaster / Dialog mit der Verwaltung

Märkische Allgemeine Zeitung vom 06.02.2009

Über "wachsendes Anwohnerinteresse" freute sich Saskia Hüneke am Mittwochabend im Großen Waisenhaus "riesig": 13 Potsdamer waren gekommen, um auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung (Argus) eine Arbeitsgruppe "Natursteinpflaster" zu gründen. Das Thema hat zuletzt wegen der Straßensanierung in Babelsberg neue Brisanz bekommen.

So waren dann auch vor allem Anwohner der Siemens-, Watt- und Jahnstraße gekommen, allerdings auch zwei Rollstuhlfahrer, die schlechtem Pflaster naturgemäß eher skeptisch gegenüberstehen. Außerdem saßen zwei leitende Mitarbeiter der Bauverwaltung am Tisch: Frank Steffens vom Fachbereich Grün- und Verkehrsflächen und Norbert Praetzel vom Bereich Verkehrsanlagen. Zwischen Saskia Hüneke und Norbert Praetzel vollzog sich im Dialog im Wesentlichen dieser Gründungsabend.

Schnell war man sich einig, dass gutes Pflaster etwas Schönes sei. Hüneke nannte die Pflasterstraßen gar einen Teil der Potsdamer Kulturlandschaft. Sie stellte bei den Pflasterfreunden allerdings noch "enormen Fortbildungsbedarf" fest. Die Pflaster-Euphoriker blieben weitgehend unter sich, und eine fotografische Bestandsaufnahme wurde mit den Worten "toll", "wunderschön" und "lebendig" kommentiert, wohingegen Asphaltstraßen als "furchtbar", "zerstört" und "tot" gebrandmarkt wurden. Sogar ein Pflaster-Kataster, in dem sämtliche Potsdamer Pflasterstraßen nebst Belag, Nutzungsintensität, Befahrbarkeitsstufe und Wiederherstellungsempfehlung verzeichnet sind, hatten die Pflasterfreunde schon vorbereitet. Die beiden Verwaltungsmitarbeiter wiesen sich durch einen nüchterneren Zugang zum Thema aus. "Wir sind nicht gegen Pflaster, aber manchmal gegen das gewünschte Pflaster", stellte Praetzel klar, und Steffens ergänzte, wenn man sich für Pflaster entscheide, müsse man auch den fachlichen Rat der Experten akzeptieren. Praetzel wies auch darauf hin, dass es kaum noch gute Pflasterer gebe, weil das traditionelle Handwerk nahezu ausgestorben sei.

"Wir waren nicht in der Lage, Nägel mit Köpfen zu machen", merkte Saskia Hüneke nach rund zwei Stunden zum Abschluss an. Künftig müsse man "systematischer überlegen". Dazu will sich die AG bis zum großen Pflaster-Workshop Ende April alle zwei Wochen treffen. (Von Jan Bosschaart)

Aus Praetzels Sprüchekiste:

Norbert Praetzel, Bereichsleiter für Verkehrsanlagen, fiel erneut durch pointierte Redebeiträge auf:

Zur Behauptung, asphaltierte Straßen wären tot: "Eine Straße soll nicht leben, sie soll nutzbar sein."

Zum Vorwurf, er kenne sich nicht genug aus: "Glauben Sie mir, ich habe mich mit dem Thema Pflaster mehr beschäftigt, als ich je wollte."

Zur Klage, in der Stadt fehle es an einheitlicher Gestaltung: "Bis zur Wende gab es eine Sorte Papierkorb in der Stadt, heute gibt es 39 Arten."

Zum Problem, geeignete Pflasterer zu finden: "Firmen, die noch richtig pflastern können, wären längst pleite."